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Alfred Rechner
gab. Mit Hilfe des BERNOULLischen Theorems gelang es Magnus die Ablenkung zu erklären. Die Luft streicht relativ in der Richtung des angezeigten Pfeiles c an der in Wirklichkeit nach links bewegten und rotierenden Kugel vorbei. Durch die Reibung wird aber dieser Strömung noch eine Zirkulationsströmung überlagert. Dadurch wird an der Stelle A (Abb. 29) die Geschwindigkeit größer sein als an der
Stelle B. Dann muß dem BERNOULLischen Theorem zufolge der Druck bei A kleiner sein als bei B, also erfährt die Kugel eine Kraft P, welche von B nach A gerichtet ist und die Kugel senkrecht zu ihrer Bewegungsrichtung abzulenken sucht. Dieser Effekt wird Magnuseffekt genannt. — Auch die Auftriebskraft, welche der Tragflügel eines Aeroplans erfährt, ist von gleicher Art. Auf der hohlen Seite des Tragflügels wird die Luftströmung verzögert; daher ist der Druck auf dieser Seite größer als auf der konvexen Seite. Die Größe dieses dynamischen Auftriebes, der durch den Druckunterschied zwischen der konkaven und konvexen Seite entsteht, kann nach der von Kutta und Joukowsky entwickelten Formel 1 berechnet werden, indem man der gewöhnlichen Strömung eine Zirkulationsströmung überlagert denkt. Damit ist die Analogie mit dem Magnuseffekt gegeben. Die entwickelten Formeln ähneln denen des Kraftfeldes, welches ein vom elektrischen Strom durchflossener Leiter in einem homogenen Magnetfeld erzeugt. Die hydrodynamisch-elektrischen Analogien sind von Föttinger beschrieben worden. Die Schaufeln einer Kaplanturbine haben flügelartige Gestalt; die Berechnung der Druckkraft gestaltet sich analog der früher angedeuteten Berechnung der Auftriebskraft einer Tragfläche. Die Kaplanturbine hat eine innige Verbindung von Turbinen- und Tragflügeltheorie angebahnt.
Auch der „Flettnerrotor“ gehört in den Kreis der hier genannten Erscheinungen. Nur hat bei diesem nach einem Erfolg versprechenden Anfang sich nicht jene wirtschaftliche Bedeutung ergeben, wie sie sich bei der zuerst bekämpften, dann sich mühsam durchsetzenden Kaplanturbine tatsächlich eingestellt hat.
VI.
Die Jahre des Aufstieges und die letzten Lebensjahre.
Veröffentlichungen. Erfolge seiner Lizenzfirmen. Prozesse. Verschiedene Ehrungen. Kaplans Tätigkeit auf Rochuspoint. Anzeichen dauernder Genesung. Sein plötzliches
Hinscheiden.
Im Herbst des Jahres 1922 war Kaplan nach einer Kur in Bad Hall nach Brünn zurückgekehrt und hatte versucht, seine Tätigkeit wieder aufzunehmen.. Er gebrauchte auch in den folgenden Jahren Bäder in Gmunden, namentlich aber in Schallerbach und später in Gastein. Sein Zustand besserte sich zusehends. Aufmerksam verfolgte er die hervorragenden Leistungen seiner Lizenzfirmen und
P
Abb. 29. Magnuseffekt.
1 Vgl. Kaplan-Lechner a. a. O., S. 73ff.