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Alfred Rechner
beinahe faustisch anmutenden Schaffenstrieb Kaplans. Er fühlte sich förmlich wohl, wenn alles um ihn herum mit Arbeit beschäftigt war. Als Kaplan von Lebenskraft strotzte, war sein ganzes Sinnen und Streben nur der Hydraulik und dem Turbinenbau zugewandt; jetzt äußerte sich sein Schaffenstrieb auch auf Gebieten, die wohl außerhalb der exakten Wissenschaften standen. Einige Beispiele seien hier angeführt.
Den Wegen auf Rochuspoint fehlte der notwendige Schotter. Kaplan konstruierte nun einen eigenartigen Sandfang, vermöge dessen es gelang, das Geschiebematerial eines bei Rochuspoint vorbeifließenden Gebirgsbaches zu gewinnen und damit auch den Schotter zu erhalten. Was alle bezweifelt hatten, war Kaplan wiederum gelungen. Es war überhaupt sein Streben, alles selbst herzustellen und
eine gewisse Unabhängigkeit zu erreichen.
Es sollte auf Rochuspoint ein Wasserbehälter für die Turbinenanlage des Hauses errichtet werden. Mit ein paar Arbeitern wurde unter Hilfeleistung von Familienmitgliedern und Gästen diese Arbeit sowie die Anlegung einer Straße auf Rochuspoint in kurzer Zeit vollendet. Kaplan stellte auch zur Regelung der Turbine eine Vorrichtung her, welche durch einen einfachen Mechanismus vom Zimmer aus betätigt werden kann. 1 Sowohl bei der Trassierung der Straße als auch bei der Anfertigung der Reguliervorrichtung war ihm sein Jugendfreund Franz Mayer behilflich gewesen.
Bei diesem Schaffensdrang darf es nicht überraschen, wenn Kaplan die Idee seines Schwiegersohnes Ing. Dr. Edwin Kramberger, einen neuen hochwertigen Lötkolben herzustellen, mit Freuden aufgriff und mit der ihn besonders auszeichnenden Beharrlichkeit an die Ausführung schritt. Dieser Lötkolben wird aus Kupfer gegossen, die elektrische Heizspirale in das Innere des Kupferkörpers gelegt. Das Kupfer wurde in Form von Altkupfer und Kupferdraht beschafft und in einem eigens dazu errichteten Versuchsofen geschmolzen (Abb. 32).
So finden wir Kaplan auf seiner Besitzung immer vollbeschäftigt; umsichtig leitete er die Wirtschaft auf Rochuspoint, ließ Obstkulturen anlegen, pflegte Bienenzucht und sorgte für seine Wiesen.
Er hatte sich stets auf die Zeit gefreut, wo er sich ganz der Pflege seines Anwesens, das er seinerzeit in einem recht unzulänglichen Zustand übernommen hatte, widmen könne. Aber als schließlich im Frühjahr 1934 seinem Pensionierungs- ansuchen entsprochen wurde, wobei er das Recht erhielt, als Honorarprofessor
Abb. 32. Schmelzofen auf Rochuspoint.
1 Diese Vorrichtung ist in Abb. 31 beim linken Fenster zu sehen.