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Alfred Lechner
der mit ganzer Kraft den Angriff parierte, so war er nach seiner ersten Erkrankung bereits eine abgeklärte, sogar milde Natur. Kaplan war kampfesmüde geworden und sehnte sich nach Ruhe und Frieden. Als guter Mensch immer auch Vorliebe für Tiere zeigend, bereiteten ihm Tiere nach seiner Erkrankung eine ganz besondere Zerstreuung. Damit hängt auch eine Affengeschichte zusammen, die einst in den Zeitungen entsprechend aufgebauscht zu lesen war. Kaplan hielt sich neben Hunden, Katzen, zahmen Krähen auch drei Kapuzineräffchen. Dieselben sollten sich — der Zeitungsnotiz zufolge — eines schönen Tages über seine mit Banknoten gefüllte Brieftasche gemacht haben. Kaplan widersprach diesem Gerücht und setzte hinzu,
Abb. 42. Kaplan mit seinem Kraftwagen auf dem Paß Lueg.
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daß ihm Tiere noch nie Schaden zugefügt hätten, wohl aber haben sich Menschen an seinem geistigen Eigentum vergriffen. Auch meinte er launig: „Durch die Affengeschichte bin ich schneller bekannt geworden als durch meine Turbine.“
Gut war Kaplan auch zu seinen Mitmenschen; wer ehrliches Streben zeigte, wer sein Brot durch Arbeit, gleichgültig ob durch geistige oder manuelle, redlich verdiente, der konnte seiner Wertschätzung und Hilfe gewiß sein. Und vielen hat er geholfen! Er, der sich durch eigene Arbeit emporgerungen hatte, wußte was Arbeit heißt und schätzte Arbeitsamkeit sehr hoch ein. Daher war auch sein Streben als Vater darnach gerichtet, seine Kinder, die er über alles liebte, zu tüchtigen Menschen zu erziehen.
War er früher ein eifriger Tourist, dem kein Berg zu hoch war, so litt er nach seiner Erkrankung schwer an dem Umstande, seine geliebte Bergwelt nur von unten aus sehen zu können und auf größere Wanderungen verzichten zu müssen. Er war denn auch dem Geschicke dankbar, daß es ihm gegönnt war, ein Auto zu erwerben und mit Hilfe dieses Verkehrsmittels die Stätten seiner Jugendzeit, wie Mürz-