Viktor Kaplan.
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Abb.40. Kaplan und seine Krähe.
sehen! Diese Zähigkeit bezeugt auch Ing. Edwin Storek in einem für die Biographie zur Verfügung gestellten Briefe. Darin heißt es: „Oftmals wurde in der Folge die an und für sich schon verstellbare Turbine umgebaut, viele neue Laufradformen entwickelt und versucht, bis im Jahre 1912 ein propellerähnliches Laufrad die ersten Umdrehungen machte, das erste Kaplanrad. Der nunmehrige Adjunkt Dr. Kaplan hat mit viel Bastlergeschick werktätig eingegriffen. Viele Laufrädchen, Saugrohrformen,
Leitschaufeln, Bremseinrichtungen usw. entstanden unter seinen Händen. Er sah weder rechts noch links, starr ging er seinen vorgezeichneten Weg. Es kamen dann die Patentanmeldungen, zu welchen ihm ein Fabriksdirektor seine reichen Erfahrungen frei zur Verfügung stellte, die Großversuche bei Voith, die erste wirkliche Turbine, die meine Firma
baute, der große Wagemut, die Rückschläge und endlich der Weg ins Große.
Dr. Kaplan, der eigentlich ein echter, gemütlicher und humorvoller Wiener geblieben ist,, schien unter dem Banne, den das strömende Wasser auf jeden Menschen ausübt, besonders stark zu stehen. Seine hohen geistigen Fähigkeiten waren, sobald es sich um Wasser und Wasserkräfte handelte, konzentriert dem einen Ziel zugerichtet. Mit dem Eifer und der Selbstverleugnung eines Ignatius von Loyola ist es ihm gelungen, nicht nur sein Ziel zu erreichen, sondern auch eine große Zahl von Jüngern zu finden.“
Neben der glücklichen Verbindung von Theorie und Beobachtung verdankt er hauptsächlich dieser Zähigkeit seine Erfolge.
Bezüglich seiner wissenschaftlichen Arbeitsmethode sei noch folgendes angeführt. Kaplan stellte, wie er sich oft auszudrücken pflegte, an die Natur die Frage, und diese hat ihm im Experiment die Antwort gegeben. Er ähnelt hierin wie auch in seiner wissenschaftlichen Einstellung dem Physiker Ernst Mach. War Kaplan zuerst reiner Forscher, dann Erfinder und Kämpfer für seine Idee,
Geschichte der Technik, 3. II.
Abb. 41. Kaplan als Familienvaier.