Alte Brücken und Mühlen in Tirol.
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des Wasserinhaltes und hebt den Stößel am anderen Hebelende. Hierbei neigt es sich aber und entleert das Wasser, so daß der Stößel wieder in den Stampftrog zurückfällt und das Spiel von neuem beginnen kann. Diese merkwürdige Maschine, die in Ostasien als Reisstampfe von Java bis Japan verbreitet ist, ist auch in Europa nicht ganz unbekannt. In der Schweiz wird sie oder wurde sie, wenigstens im Kanton Bern, unter dem Namen „Gnepfe“ als Kopfsäge und Gerstenstampfe verwendet . 9
Die Möglichkeit, die eigentlichen Mühlen mit rotierendem Mühlstein durch Wasserkraft anzutreiben, w r ar aber ersichtlich an die Erfindung des Wasserrades geknüpft, außerdem aber auch noch an die Entwicklung eines Maschinenteiles, der die in einer vertikalen Ebene erfolgende Drehbewegung des Rades in die horizontale des Steines umzusetzen gestattete : diese Aufgabe erfüllt die Zahnradübersetzung zwischen einem auf die Radwelle aufgesetzten Kammrad und dem Treibstock oder Laternenrad, dessen vertikale, eiserne Welle den oberen Mühlstein mittels eines Mitnehmers von der früher erwähnten schwalbenschwanzförmigen Gestalt bewegt.
Auch solche Laternenräder sind bereits aus römischen Ansiedlungen in Germanien bekannt.
Es gibt nun im ganzen Orient eine wichtige Maschine, die ebenfalls eine Zahnradübertragung verwendet, nämlich das von einem Göpel angetriebene Schöpfwerk; hier ist die vertikale Achse die treibende, die ihre Bewegung mittels des Zahnradgetriebes auf die horizontale Welle überträgt, an deren anderem Ende das Schöpfrad sitzt; dieses taucht entweder selbst ins Wasser oder es ist um seinen Umfang eine Eimerkette gelegt, deren Schöpfgefäße bei der Umdrehung das Wasser herauf holen.
Es ist zwar nicht erwiesen, daß diese besonders in Ägypten äußerst häufigen und dort „Sakije“ genannten Schöpfwerke bis in die altägyptische Geschichte zurückreichen ; 10 immerhin darf man ihr Vorhandensein schon in recht früher Zeit annehmen und die Vermutung liegt nahe, daß die Zahnradübertragung, wie sie bei diesen Schöpfwerken angewendet worden ist, das Vorbild für den Mühlenantrieb gebildet habe. Diese Ansicht wird durch eine Stelle bei Vitruv, dem bekannten römischen Architekten und Ingenieur, gestützt, in der er sozusagen in einem Atem Schöpfwerke und Mühlen als nahe verwandte Mechanismen beschreibt.
Man darf aber gerade auf Grund dieser Stelle vermuten, daß die entwicklungsgeschichtliche Verwandtschaft beider noch enger ist und daß das Wasserrad selbst
Abb. 8. Brücke über den Villgratenbach bei Sillian, Durchsicht. Beachtenswert der schöne Rhythmus des oberen Windverbandes.
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