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Otto Lanser
steinerne oder metallene Stößel zerstampft wurde. Die andere Entwicklungsreihe hingegen behielt die Drehbewegung bei; Mühlsteine mit etwa 50 bis 70 cm Durchmesser, die mittels daran befestigter hölzerner Stangen von mit herumgehenden Personen gedreht wurden, sind auf römischem 7 wie germanischem 8 Boden wiederholt gefunden worden. Der Läufer durfte natürlich nicht mit seiner Unterfläche auf dem Bodenstein aufruhen ; die große Reibung hätte seine Bewegung unmöglich gemacht und das Getreide wäre nur zerquetscht, nicht aber zermahlen worden; er wurde vielmehr von dem schwalbenschwanzförmigen Kopfstücke einer senkrechten Welle, das in eine ebensolche Ausnehmung des Steines paßte, über dem Bodenstein mit geringem Abstand schwebend gehalten. Das Getreide fiel durch eine kreisrunde Mittelöffnung
neben den Armen des eisernen oder bronzenen Kopfstückes vorbei in diesen schmalen Luftraum, in dem es dann, infolge der Fliehkraft langsam nach außen wandernd, zerrieben wurde.
Es lag nun nahe, gerade hier die menschliche Arbeitskraft durch tierische, durch ein Göpel werk, zu ersetzen und man hat sich nach dem Zeugnisse mancher Schriftquellen vorzustellen, daß im späteren Rom solche schon industriell betriebene Göpelmühlen den Mehlbedarf der Weltstadt deckten. Das Endglied der Reihe ist aber der Antrieb durch einen unbelebten Motor, durch das Wasser, ein Schritt, der in Rom etwa um 100 v. Chr. getan wurde. Eine schöne Gedichtstelle ist uns erhalten, die von dieser Erfindung berichtet:
Schlaft nur aus, ihr Mädchen, und treibt nicht weiter die Mühle,
Mag auch noch so laut krähen der weckende Hahn!
Eurer Hände Müh’n befahl Demeter den Nymphen!
Hei, die folgen geschwind, springen die Schaufeln herab,
Drehen das Rad rundum und dies, mit gebogenen Speichen Wälzt den gehöhlten Stein von zweien Mühlen zugleich!
Nun kehrt wieder zurück das Goldene Alter: Die Nutzfron Lastet nur halb auf uns, halb nimmt die Göttin sie ab.
Parallel verläuft die andere Entwicklungsreihe: hier bedurfte es zum mechanischen Antrieb noch nicht einmal eines Wasserrades: der Stößel wird an dem einen Ende eines Schwinghebels befestigt, dessen anderes ein Gefäß trägt, in das aus einer Rinne Wasser fließt. Sobald das Gefäß gefüllt ist, senkt es sich unter dem Gewichte
Abb. 7. Brücke über den Villgratenbach bei Sillian, Osttirol. Mehrfeldrige, überdachte Hängewerkskonstruktion aut gemauerten Pfeilern.
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