Alte Brücken und Mühlen in Tirol.
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tet sie als Römerbrücke, deren Straße hier den Talboden verlassen habe, um zu den auf einer Hochfläche gelegenen, uralten Dörfern Serfaus und Fiß hinaufzusteigen. Sicher wird man diesem Bauwerk, wenn auch nicht antiken Ursprung, so doch ein ziemlich hohes Alter zubilligen dürfen.
Zeigten die angeführten Beispiele von Brückenbauwerken die Geschicklichkeit des alpenländischen Bauern und volkstümlichen Technikers in der Meisterung statischer Aufgaben, so bieten die Mühlen, Hammerschmieden, Sägemühlen, Stampfen u. dgl. den Beweis, daß ihm auch früh schon die Lösung der schwierigeren Probleme der Kinematik und des Maschinenbaues gelangen. Der Werkstoff, aus dem er die Maschinenteile herstellte, war fast immer Holz; nur für einzelne hochbeanspruchte Teile, wie Lagerzapfen, Kurbeln u. dgl., verwendete er Eisen.
In einem weiteren Sinne bezeichnen wir alle Triebwerke, deren wesentlichste Teile eine stetige Drehbewegung ausführen, als „Mühle“. Dabei ist aber nicht immer maßgebend, was im technischen Sinn als der eigentliche Arbeitsvorgang anzusehen ist, sondern häufig das, was der Beschauer als merkwürdig und wesentlich empfindet, also vor allem den Antriebsmotor, das Wasser- oder Windrad; anders wären Bezeichnungen wie Sägemühle, Papiermühle, die ja sonst mit einer Getreidemühle nichts weiter gemein haben, nicht erklärlich. Jenes Bauwerk, das wir als Ganzes uns unter dem Worte „Mühle“ vorstellen, vereinigt aber drei im technischen Sinn durchaus verschiedene Anlagen: die eigentliche Arbeitsmaschine, der die Zerkleinerung der Getreidekörner obliegt, dann den Antriebsmotor und schließlich das Gebäude, in dem beide untergebracht sind. Eine entwicklungsgeschichtliche Betrachtung muß jeden dieser Teile für sich nehmen, denn wie bei allen anderen Arbeitsmaschinen hat auch bei der Mühle nicht immer schon ein Wasser- oder Windrad, sondern die menschliche und tierische Körperkraft den entwicklungsgeschichtlich ältesten Motor gebildet.
Die Urform der Mühle, wie sie uns aus vorgeschichtlichen Funden und von primitiven Völkern 6 her bekannt ist, bestand aus einem größeren ruhenden Stein mit einer muldenförmigen Vertiefung, in der die Getreidekörner mittels eines kleineren, rundlichen Steines von Hand aus zerrieben wurden. Von dieser Urform sind zwei Entwicklungsreihen ausgegangen: die eine führt über eine Zwischenform, die den heutigen Reibschalen der Apotheker glich, zum Mörser, in dem das Getreide durch
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Abb. 6. „Kajetansbrücke" über den Inn bei Pfunds. Echte Bogenbrücke in Holzkonstruktion.