Aufsatz 
Alte Brücken und Mühlen in Tirol / von Otto Lanser
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen

10

Otto Lanser

werk, das den Übergang der alten Reschenstraße über den Inn zu ermöglichen und zugleich zu sichern hatte. Das Tragwerk, dessen heutiger Zustand nicht mehr der ursprüngliche ist, war aber auch hier aus Holz.

Gewölbte Steinbrücken fehlen also unter den größeren Strombrücken Tirols aus alter Zeit völlig. Die nächstgelegenen Bauwerke dieser Art waren eine antike und eine von den Skaligern erbaute Etschbrücke zu Verona und die 1146 vollendete, durch Jahrhunderte als besonderes Meisterwerk der Brückenbaukunst bestaunte Donau­brücke zu Regensburg. Erst im Zuge der großen Kunststraßen- und Eisenbahnbauten

des vorigen Jahrhunderts entstanden dann bedeutende Wölbbrücken, darunter jene über den Inn bei Brixlegg und Mühlau und die kühne Stefansbrücke, die die Schlucht des Ruezbaches in 28,4 m Höhe mit einem mächtigen Halbkreisbogen von 43,6 m Licht weite überspannt.

Kleinere Steinbrücken mit nur einer Öffnung, deren an Land auszuführende Widerlager also keine besonderen Fun­dierungsschwierigkeiten boten, sind immer­hin hier und dort auch in unserem Lande schon in ziemlich früher Zeit zur Aus­führung gekommen. Die urkundlich am frühesten erwähnten Steinbrücken sind jene über die Etsch bei Forst (bei Meran) und über den Eisack bei Neustift, deren um das Jahr 1500 Erwähnung getan wird. 5 Ein eigenartiges Bauwerk ist die über eine tiefe Bergschlucht zum Kloster St. Georgen­berg bei Schwaz führende Brücke (Abb. sieheBf TG Heft 5, S. 13). Hier sind auf die gemauerten und untereinander durch ein Gewölbe verbundenen Pfeiler noch solche aus Holz aufgesetzt, auf denen erst das im Grundriß gekrümmte und stark ansteigende, gleichfalls hölzerne Trag werk auf ruht. Ein Torturm sichert das Bauwerk und damit das sonst kaum zugängliche Kloster gegen unerwünschte Besucher.

Eine aus dem 16. Jahrhundert stammende, schöne gotische Steinbrücke besitzt das Dorf Grins bei Landeck (Abb. 10). In den Kehlbalken des Lehrgerüstes, das gleichfalls noch erhalten ist, ist die Jahreszahl 1639 eingeschnitten. Kleinere Wölb­brücken kommen in Westtirol, dem Gebiete rhätoromanischer Steinbauweise, noch mehrmals vor; besondere Erwähnung verdient von ihnen noch jene, die eine steil zum Inn abfallende Schlucht in den linksseitigen Uferfelsen bei Tösens mit etwa 8 m Spannweite überwölbt (Abb. 11). Zu dieser Brücke, die wie aus den Felsen heraus­gewachsen scheint, führt heute kein gangbarer Verkehrsweg mehr; das Volk betrach-

Abb. 5. SogenannteUrgener Brücke" über den Inn bei Landeck, Untersicht. Balkenträger, dessen Auflager durch weit vorkragenden Dreiecksverband aus Sattelhölzern und Kopf­streben gebildet wird, wodurch ein bogen- artiger Eindruck entsteht.