Aufsatz 
Siebzig Jahre Brennerbahn / von F. Kargl
Entstehung
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Siebzig Jahre Brennerbahn.

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auszunutzen und sie im Wettbewerb mit ausländischen Bahnen in enger Zusammen­arbeit durch entsprechende Verkehrsablenkungen zu begünstigen. Der Ausbau und die Vertiefung der Handelsbeziehungen zwischen den beiden, nun Nachbarn gewordenen Großstaaten lassen sich in ihrem ganzen Umfange und in ihren letzten Auswirkungen heute noch nicht ermessen, werden sich aber noch ge­waltig steigern.

In diesem Zusammenhang wäre die spätere Ausgestaltung der Brennerroute flüchtig anzudeuten. Im Norden wird die Erstellung einer neuen Zubringerlinie notwendig werden, um das westliche Bayern, Württemberg sowie die Rheinlande und das nordwestliche Deutschland näher an die Brenner linie anzuschließen.

Südlich von Innsbruck wird die Ausgestaltung zweckmäßig mit dem Bau der geplanten Autobahnen verbunden werden können. Das Silltal wird südlich von Steinach recht eng und die Hänge steil, so daß die Linienführung der Autostraßen auf große Schwierigkeiten stoßen wird. Es wäre' zu erwägen, die Bahn in einen längeren Tunnel zu verlegen und den frei werdenden Bahnkörper zur Autobahn umzugestalten.

Der Tunnel würde die Hebung der Güter auf die volle Paßhöhe vermeiden lassen, wobei im Auf- und Abstieg mindestens je 200 m Hebung zusammen sonach mehr als 400 m Hebung erspart und die Fahrzeiten um etwa eine halbe Stunde gekürzt werden könnten. Der Tunnel würde rund 14 km lang und voraussichtlich nicht übermäßig schwierig, da das überlagernde Gebirge keine besondere Mächtigkeit besitzt. Die Brennerbahn würde dann in der Reihe der großen Alpenbahnen auch in Zukunft an vorderster Stelle ihren Rang behaupten.

Abb. 12. Trasse der Brennerbahn bei St. Jodok.

Erster bei einer Alpenbahn ausgeführter Kehrtunnel.