Winkelmessung.
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Entwicklungsreihe VI aufstellen (Entwicklungsreihe VI, Zielinstrumente): Neben verschiedenen alten Zielgeräten, wie dem geometrischen Quadrat mit Abschauen und anderen Winkelmeßgeräten mit Dioptern sind es die Eisenscheiben und Astrolabien, die einerseits von der Kitzbüheler Eisenscheibe mit Abschauen auf Stuhl ohne Höhenkreis über diejenige mit Höhenkreis zur Schnellplan-Eisenscheibe führen, anderseits vom Astrolabium oder Scheibeninstrument Beyers über das einfache Astrolabium zum Astrolabium mit Höhenkreis und endlich zu einem markscheiderischen Astrolabium mit Höhenkreis und Hilfsdiopter am Grundkreis 1 reichen. Nur für Höhenwinkelmessungen dienen sogenannte Höhenscheiben, mir für Richtungsfestlegungen sind die Kippregeln 2 mit Diopter oder mit Fernrohr zu erwähnen. Alle diese genannten Zielinstrumente werden abgelöst und gekrönt durch die Einführung des Theodolits und Grubentheodolits in das Markscheidewesen, dessen hundertjährige allgemeine Verwendung im Bergbau in etwa einem Jahrzehnt zu feiern sein wird.
Zielgeräte.
Die älteste Form eines markscheiderischen Zieles ist ohne Zweifel das Licht einer Grubenlampe gewesen, die möglichst mittig auf dem anzuzielenden Punkt aufgestellt oder davor hingehalten wurde. Die Flamme des Grubengeleuchtes dürfte sonach mehrere Jahrhunderte lang bei bergmännischen untertägigen Messungen als Ziel gedient haben. In späterer Zeit war es auch ein Nagel, der in die Firste geschlagen und woran ein Senkel befestigt wurde. Hier diente die Schnur als Ziel. Man erinnere sich an ein früher besprochenes Astrolabium, das am Höhenkreis einen Körner besitzt. Nägel oder „Eisen“ als Markscheidermarken sind aus der Mitte des 16. Jahrhunderts aus dem „Schwazer Bergbuch“ mehrfach bezeugt, dürfen aber mit „Zielen“ nicht verwechselt, sondern können nur als markscheiderische Festpunktmarken angesehen werden.
Es muß schon verhältnismäßig frühzeitig den alten Markscheidern aufgefallen und zum Bewußtsein gekommen sein, daß eine der häufigsten und schlimmsten Fehlerquellen beim Winkelmeßzug in der Außermittigkeit liegt, die zwischen dem Mittelpunkt des Zielinstrumentes und dem Zielpunkt des Grubensignals auf tritt, wenn beide nacheinander auf ein und demselben Zugpunkte auf gestellt werden.
Mit der Erfindung des ersten Markscheiderzielgerätes oder Zielzeichens entstand somit die erste Zwangszentrierung, die diesen Fehler ausschaltete. Mit Genugtuung kann festgestellt werden, daß mir zwei aus dem 18. Jahrhundert stammende Markscheiderzielgeräte bekanntgeworden sind und somit die Anwendung von Zielgeräten bei markscheiderischen Messungen
1 Auch der BoRDAsche Kreis hatte ein Hilfsfernrohr. Mit dem BoRDAsehen Kreis wurden räumliche Winkel gemessen, er hatte keinen Grundkreis, aber ein Hilfsfernrohr.
2 Die Leobener Sammlung sowie das Technische Museum Wien besitzen je eine Kippregel mit Fernrohr und mit Abschauen (Inv.-Nr. VC 55 und 9677/7). Es sind dies Instrumente auf Linealstativen von beachtlicher Länge, die Wiener Kippregel (um 1800) hat ein Diopter mit Lang- und Querschlitz, die Leobener Kippregel (um 1850) besitzt Diopter und ein terrestrisches Fernrohr mit Schlitzblende beim Okular. Die Fernrohrachse fällt mit der Ziehkante des Lineals zusammen. Verwendungszweck: Meßtischaufnahme; also nichts Markscheiderisches.