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1940: Siebentes Heft : Die Entwicklung des Markscheidewesens im Lande Österreich / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Winkelmessung.

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einem Ständer mit Senkel befestigt ist, der seinerseits wieder eine Hülse für Zapfen - aufstellung besitzt. Das Gerät ist aus Messingblech verfertigt und hat eine Ge­samthöhe von 255 mm. Das kleinere Zielloch diente für Nahzielungen, das größere für weite Zielungen. Das kleinere Zielloch ist durch eine kleine Klappe verdeckbar.

Ein zweites Zielgerät aus etwas späterer Zeit, um 1780 und aus ßleiberg in Kärnten stammend, ist uns durch eine Zeichnung des Bergrates Riedl überliefert. Es ist ähnlich dem vorbeschriebenen Zielgerät gebaut, nur etwas größer und besitzt zwei kleine Ziellöcher von gleicher Größe, die ebenfalls durch eine runde Klappe verdeckt werden können. Durch die zwei lotrecht übereinander angeordneten Ziel­löcher war somit eine kurze dunkle Senkrechte zum Anzielen gegeben, wenn man hinterbei das Grubengeleuchte hielt. Die zugehörigen Zielinstrumente mit Hülsen­aufstellung auf einem Zapfenstativ sind vom ersten Zielgerät nicht bekannt, zum zweiten gehört die im Bild 71 dargestellte, gleichfalls aus Bleiberg stammende Höhenscheibe mit Doppelabschauen, da sie die gleiche Hülse wie das Zielgerät besitzt und der dazu passende Zapfen mit Klemmschrauben uns überliefert ist. Eine ganz ähnliche Höhenscheibe mit einem eigenen Zielgerät befindet sich an der Berg­akademie zu Freiberg i. Sa.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts veröffentlichte P. v. Giuliani in seiner Markscheidekunst (1798) ein Instrument namensCatageolabium, in dem wir den ersten Versuch eines Grubentheodolits, wie früher erläutert, sehen. Giuliani gibt hierzu auch eine ziemlich flüchtige Zeichnung 1 (Bild 75), auf der einerseits das Instrument, anderseits ein Zielgerät für Armaufstellung angegeben wird. Es ist keineswegs ausgeschlossen, daß Giuliani, der in Klagenfurt lebte, die vorhin ge­nannte Bleiberger Höhenscheibe mit dem dazugehörigen Grubensignal gekannt hat und sich darauf stützt. Giulianis Entwurf und das ältere Bleiberger Markscheider­instrument, sowie die je dazugehörigen Zielgeräte besitzen alle die gleichen Hülsen für Steckzapfenaufstellung. Giuliani hat demnach ebenfalls eine Zwangszentrierung vorgeschlagen. Auch die von J. G. Studer bei seiner 1801 veröffentlichten Eisen­scheibe als Ziel angewendeten Messingstifte gehören hierher. Eigene, hohe Zielgeräte besaß auch das RiTTiNGERsche Visierinstrument (1851). Im Jahre 1859 wurde dann von J. Weisbach, Professor in Freiberg, eine neue Art Zwangszentrierung angegeben, die aus einem lose auf eine brettförmige Spreize gestellten Teller bestand, auf den ab­wechselnd der Theodolit oder ein Signallämpchen gestellt wurde. A. Junge ver­wendete später eine Auf Stellschraube und ein dazugehöriges Signal als Zielgerät. Die neuzeitigen Grubensignale sind entweder Scheibensignale, Spitzensignale oder Kugel­signale und finden bei der Freiberger, bei der BREiTHAUPTschen Steckhülsenauf- stellung sowie bei der Waldenburger Aufstellung Anwendung. Kugelsignale ver­wendet man auch bei der Bochumer Aufstellung sowie beim BRANDENBERGschen Hängetheodolit. Besondere Signalgeräte sind für die Steilschachtvermessung in neuester Zeit u. a. von F. Aubell erdacht und von verschiedenen Feinwerkstätten gebaut worden.

1 Abgebildet bei P. Wilski, Markscheidekunde I., S. 122.