Aufsatz 
Vom k.k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Technischen Museum von heute / von Viktor Schützenhofer
Entstehung
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Vom k. k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Tecbn. Museum von heute. 7

kalische Kabinett, die chemische Präparaten- und Fabrikatensammlung und die vom ersten Leiter des Nationalfabriksproduktenkabinetts Professor Georg Alt­mütter geschaffene und für das Verständnis der Arbeitsvorgänge als unerläßlich angesehene Werkzeugsammlung besonderer Erwähnung bedürfen. Die rasche Ent­wicklung des Nationalfabriksproduktenkabinetts kann durch zwei Angaben des Inventar Standes gekennzeichnet werden. Derselbe wies 1816 rund 6000 und 1829 bereits rund 30000 Inventarnummem auf. Von bemerkenswerten Erwerbungen dieser Zeit sollen die des Gesamtbestandes von physikalischen Apparaten der 1817 aufgelösten galizischen Abteilung der k. k. Arcieren-Leibgarde Wien und der aus 155 Stücken bestehenden, 1818 zum Kauf angebotenen berühmten Modellen- sammlung von Brücken und Wasserbaumaschinen des Geheimrates Wiebeking, München, erwähnt werden.

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Bild 3. Hofburg mit Hofbibliothek und Winterreitschule.

(Nach einem Gemälde von Karl Schütz.)

(Aus dem Bilderarchiv der Nationalbibliothek, Wien.)

Bevor aber über die weitere Entwicklung des Kabinetts gesprochen werden soll, muß noch ein kurzer Rückblick auf das mit diesem im Zusammenhang stehende Ausstellungswesen gemacht werden.

Die erste Gewerbeausstellung in der Monarchie wurde 1791 zu Ehren Kaiser Leopolds II. in Prag abgehalten. Ihr ist nur eine kleine Schau gewerblicher Landes­produkte vorausgegangen, die 1754 im Orte Weltrus, gleichfalls in Böhmen, aus Anlaß der Anwesenheit der Kaiserin Maria Theresia veranstaltet worden war. Beide Male handelte es sich nicht bloß um höfische Veranstaltungen, sondern viel­mehr um solche, die dem Bedürfnis der Zeit,gewerbliche Leistung bekannt zu machen und damit dem wirtschaftlichen Aufstieg zu dienen, gerecht werden sollten. Diesen in Böhmen abgehaltenen Ausstellungen folgten zu Ende des zweiten und dritten Jahrzehnts des neunzehnten Jahrhunderts daselbst weitere, die aber alle, gleich den früher erwähnten, nur Erzeugnisse der Provinz betrafen. Die erste Zentralausstellung des Kaiserstaates Österreich fand dann im Jahre 1835 in Wien statt. Sie wurde in der Winterreitschule der Hofburg und in den an diese grenzenden Wagenremisen veranstaltet und auch vom technischen Kabinett des im gleichen Jahre zur Regierung gekommenen Kronprinzen Ferdinand beschickt. 1839 fand die zweite Wiener gewerbliche Ausstellung in den Räumen des Polytechnischen