Vom k. k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Techn. Museum von heute. 9
und dem ursprünglichen Zweck der Sammlungsbestände immer weniger den musealen Aufgaben widmete, sondern immer mehr Schulsammlung wurde. 1863 erfolgte auf Beschluß des Professorenkollegiums die erste Abgabe von einigen Sammlungsstücken an das Museum für Kunst und Industrie in Wien. Diese Abgabe dürfte wohl schon in der Erkenntnis erfolgt sein, daß das — unter Auflösung seiner kommerziellen Abteilung — zur rein technischen Lehranstalt bestimmte Institut nicht weiterauch „Technisches Museum“ bleiben könne, wie dies in dem 1864 auf gestellten und im Oktober 1865 genehmigten neuen Statut des Polytechnischen Instituts festgelegt erscheint.
Hier schaltet sich zum ersten Male der Niederösterreichische Gewerbeverein in die Museumsfrage ein, indem er zu der geplanten Statutenänderung Stellung nimmt und sie mit der Maßgabe gutheißt, daß vorher ein gesondertes Konservatorium für Künste und Gewerbe geschaffen werden solle. Dieser Forderung wurde allerdings nicht unmittelbar entsprochen, so daß in der Museumsbetreuung zeitweilig ein Vakuum eintrat.
Der die Museumsfrage im Niederösterreichischen Gewerbeverein behandelnde Referent war Wilhelm Exner, der künftige unentwegte Vorkämpfer darin. In Verfolg der Stellungnahme des Vereins zur Statutenänderung des Polytechnischen Instituts trat er 1868 für die Schaffung eines Gewerbemuseums in Wien ein und erreichte es auch, daß die damalige Regierung dieser Anregung ihre Aufmerksamkeit schenkte. Die von ihm geleitete sogenannte additioneile Ausstellung zur Wiener Weltausstellung 1873, die als Beitrag zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen gedacht war, wollte er benützen, um auf ihren Beständen ein Gewerbemuseum aufzubauen. Der Generaldirektor der Weltausstellung Schwarz-Senborn kam ihm hiebei mit der Gründung des Athenäums zuvor, das aber bereits 1875 infolge der damals herrschenden, ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse einging. Unbeirrt durch alle bisherigen Eehlschläge setzte Exner seine Bemühungen fort und erreichte 1879 als private Gründung des Nieder- österreichischen Gewerbevereins die Errichtung der von ihm „Technologisches Gewerbemuseum“ benannten Anstalt, die Schule, Sammlung und später auch Versuchsanstalt in sich vereinigte und im Gebäude des Niederösterreichischen Gewerbevereins untergebracht wurde. Der Anfang war bescheiden, da das Technologische Gewerbemuseum vorerst nur aus einer Sektion, und zwar derjenigen für Holzindustrie, bestand. Die neue Anstalt wuchs aber rasch und gewann stetig an Bedeutung, allerdings nicht in dem ihr anfänglich zugedachten Sinne, „nämlich auch Museum zu sein“. Exners Bemühungen gingen daher weiter und führten 1893 zur Errichtung des Museums der Geschichte der österreichischen Arbeit, das vorerst mietweise in Baulichkeiten untergebracht wurde, die an das inzwischen in die Währinger Straße übersiedelte Technologische Gewerbemuseum grenzten. Diese Neugründung des Niederösterreichischen Ge werbe Vereins, die mit dem Technologischen Gewerbemuseum auch organisatorisch verbunden wurde, erfreute sich von Anfang an der vollen Unterstützung der Regierung, die über Ansuchen des Gewerbevereins das bereits 1873 auch dem Namen nach Hochschule gewordene Polytechnische Institut beauftragte, aus seinen dem Nationalfabriksproduktenkabinett entstammenden Sammlungsbeständen etwa 3000