Vom k. k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Tecbn. Museum von beute. 11
wie aus der Formulierung des Antrages ersichtlich ist, an dem rein historischen Charakter der zu schaffenden Einrichtung noch fest und mußte es schließlich dadurch erleben, daß ihm andere mit einem Antrag zuvorkamen, der den tatsächlichen Bedürfnissen mehr Rechnung trug und zur Zeit seines Einbringens der Regierung sogar besonders gelegen kam. Für das Jahr 1908 waren nämlich aus Anlaß des 60jährigen Regierungsjubiläums Kaiser Franz Josefs von allen Seiten festliche Veranstaltungen geplant, unter anderen auch die einer Industrieausstellung in Prag und einer solchen in Wien. Der damalige Ministerpräsident Max Wladimir Freiherr von Beck legte den größten Wert darauf, die patriotischen Bestrebungen der Tschechen nicht zu stören und beauftragte den zuständigen Referenten des Handelsministeriums, Ministerialrat Dr. Sigmund Brosche, die Abhaltung der Wiener Ausstellung in geeigneter Weise zu verhindern. Nach Angabe Brosches war in den letzten Tagen des Jahres 1906 eine Abordnung des Elektrotechnischen Vereins bei ihm erschienen, die aus dem Generaldirektor der Skodawerke Dr. Ing. Georg Günther, dem Direktor der Wiener Akkumulatoren A. G. Ing. Ludwig Gebhard und dem Regierungsrat der Normaleichungskommission Professor Ing. Karl Schlenk bestand, um ihn davon in Kenntnis zu setzen, daß der Verein die Gründung eines technischen Museums in Wien beschlossen habe und hiefür die Unterstützung der Regierung erbitte. Dr. Brosche sah in dieser Absicht des Elektrotechnischen Vereins die Möglichkeit, an Stelle der zu verhindernden, vom Niederösterreichischen Gewerbeverein geplanten und bereits in Vorbereitung stehenden Bau- und Industrieausstellung ein bleibendes Werk zu setzen. Er griff daher den Vorschlag auf und trachtete hiefür die Mithilfe der drei zentralen Industrieverbände Österreichs und des Niederösterreichischen Gewerbevereins zu gewinnen, da ihm klar war, daß der Elektrotechnische Verein als Fachverein die Durchführung eines so umfangreichen Projektes allein zu bewältigen nicht imstande sein würde. Der Präsident des ständigen Ausschusses der Industrieverbände war der Großindustrielle Arthur Krupp, der dem Vorschlag Brosches volles Verständnis entgegenbrachte und ihn nicht nur unter Einsetzung des ganzen Gewichts seiner Persönlichkeit zu verwirklichen half, sondern auch dem später geschaffenen Werk Zeit seines Lebens die Treue bewahrte und seine so wertvolle Unterstützung lieh.
Bereits im Jahre 1907 fand die Konstituierung des vorbereitenden Komitees zur Schaffung eines Technischen Museums für Industrie und Gewerbe in Wien statt, das im Juli 1908 durch einen Arbeitsausschuß ersetzt wurde. Im Juni 1909 ist der „Verein Technisches Museum für Industrie und Gewerbe in Wien“ gebildet und hiedurch die juristische Person geschaffen worden, die für den Bestand der Anstalt erforderlich war.
Die Organe des Vereins waren die Generalversammlung der Mitglieder, das Kuratorium als Vorstand des Vereins und das Direktorium als sein Exekutivorgan. Dem Direktorium war ein Fachkonsulentenkollegium von fast 900 Mitgliedern zur Seite gestellt.
Zur Besorgung der Verwaltungstätigkeit des Vereins wurde ein Vereinssekretariat und zur Durchführung des Museumsbetriebes und der musealtechnischen Arbeiten nach Beendigung des Neubaus des Museums eine Museumsdirektion bestellt.