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Viktor Schützenhofer
Das Präsidium des Kuratoriums bestand aus einem Präsidenten und drei Vizepräsidenten. Den Präsidentenposten hatte der Großindustrielle Arthur Krupp inne. Die drei Vizepräsidenten waren: Sektionschef Dr. Sigmund Brosche, Vizebürgermeister der Stadt Wien Heinrich Hierhammer und Großindustrieller Paul von Schoeller.
Dem Direktorium gehörten Sektionschef Dr. Wilhelm Exner als Vorsitzender und Generaldirektor Ing. Georg Günther, Großindustrieller Hugo von Noot, der damalige Oberbaurat und spätere Stadtbaudirektor Ing. Heinrich Goldemund und Professor Karl Schlenk als Direktionsräte an.
Für die nunmehrige-Wahl des Namens des Museums, die lediglich als eine zeitgemäße Abänderung der Bezeichnung Fabriksproduktenkabinett angesehen werden kann, gibt Exner folgende Erklärung:
„Die aus den Gewerben hervorgegangene Industrie verdankt ihre Entwicklung und damit ihre Erfolge vor allem den Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung und Lehre und den Leistungen der Technik.
Die sogenannten exakten Fächer, unter ihnen besonders die angewandten Naturwissenschaften und die Errungenschaften der Empirie, des Erfindungsgeistes, beeinflussen den Fortschritt der Industrie und des Verkehrswesens und befestigen das Gewerbe in seinen Formen: Handwerk und Heimarbeit.
Gesellschaft und Staatsleben werden aber wesentlich mit bestimmt durch Gewerbe, Industrie und Verkehr.
Diese Zusammenhänge in ihrer geschichtlichen Beihenfolge für Österreich darzustellen, soll die Aufgabe des
Technischen Museums für Industrie und Gewerbe in Wien sein.“ 1
Nachdem eine Bauhilfe der Regierung im Ausmaß von eineinhalb Millionen Kronen und eine solche der Gemeinde Wien im Ausmaß von einer Million Kronen nebst der kostenlosen Überlassung des am westlichen Ende der Mariahilfer Straße gelegenen, Spitzackergründe genannten Bauplatzes gesichert erschien — der beantragende Referent war der spätere Stadt-Baudirektor und Kurator des Technischen Museums Ing. Heinrich Goldemund, der die Bewilligung aussprechende Bürgermeister Dr. Karl Lueger — fand am 20. Juni 1909 die feierliche Grundsteinlegung durch Kaiser Franz Josef statt. Im Oktober des gleichen Jahres erhielt der städtische Baurat Architekt Hans Schneider als Preisträger einer Konkurrenzausschreibung den Auftrag zur Ausführung des Museumsgebäudes, das Ende 1913 fertiggestellt und damit zur Einrichtung bereit war. Der der Ausschreibung zugrunde gelegte Vorentwurf, der einen 9600 qm Grundfläche umfassenden und rund 16000 qm Belegfläche gewährenden vorläufigen Ausbau, sowie eine spätere Erweiterung vorsah, stammte von Ministerialrat Emil Ritter von Förster. An der Bewerbung beteiligten sich 27 Architekten. 2 Die gesamten Baukosten betrugen ohne Einrechnung des Wertes des von der Gemeinde Wien kostenlos überlassenen Baugrundes rund 6 Millionen Kronen.
1 W. Exner, Das Technische Museum für Industrie und Gewerbe in Wien. Wien 1908, S. 125, Anlage A.
2 Anhang 3, S. 30.