Aufsatz 
Vom k.k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Technischen Museum von heute / von Viktor Schützenhofer
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Viktor Schützenhofer

in Aussicht genommenen dreißig Museumsabteilungen 1 bis auf wenige fertiggestellt, drei Sonderschauen veranstaltet und an vier auswärtigen Ausstellungen teilge­nommen. Von dann an setzte die durch die zwischenzeitig gewonnenen Erfahrungen und die eingetretene Änderung der Anschauungen erforderlich gewordene Neu­gestaltung des Museums ein, die, alle bis dahin geltenden Normalisierungsfesseln abstreifend, bemüht war, unter Ausnützung der neuzeitlichen Gestaltungsmöglich­keiten dem hochgestellten angestrebten Zweck gerecht zu werden. Acht Sonder­schauen wurden veranstaltet und an acht auswärtigen Ausstellungen, darunter ins­besondere an der Pariser Weltausstellung 1937, durch Übernahme der Ausgestaltung der Abteilung Technik und Industrie teilgenommen. 2 * * Die rasche Entwicklung der Filmtechnik, insbesondere aber des Tonfilms, ermöglichte auch einen Ausbau des Vortragswesens durch Einführung gesonderter, wöchentlich wechselnder Kulturfilmvorführungen, die nicht nur auf die technischen Leistungen des eigenen Landes, sondern auch auf die des Auslandes Bedacht nahmen.

Die im März 1938 erfolgte Besetzung Österreichs durch das nationalsozialistische Deutschland hatte zur Folge, daß im August 1938 das Technische Museum aus der Betreuung des Ministeriums für Handel und Verkehr in jene des Ministeriums für Unterricht gelangte und nach Auflassung der österreichischen Ministerien Reichs­anstalt mit unmittelbarer Unterstellung unter den Reichsstatthalter in Wien wurde. Das Betriebsfondsvermögen wurde von der Reichsregierung eingezogen und die Bestreitung auch der Sachausgaben vom Staat übernommen, so daß die gesamte Museumsgebarung von nun an den Staat belastete. Ende 1939 sind dann die wissen­schaftlichen Museen Wiens, zu denen die deutsche Verwaltung das Naturhistorische Museum, das Museum für Völkerkunde, das Volkskunstmuseum und das Technische Museum für Industrie und Gewerbe zählte, aus rein politischen Gründen unter eine gemeinsame Oberleitung gestellt worden, die dem Direktor des Tierkundemuseums in Dresden, Dr. Hans Kummerlöwe, anvertraut wurde, der aber infolge baldiger Einrückung zur Wehrdienstleistung seinen Posten nur kurz innehatte. Er hat übrigens von Anfang an erklärt, sich in die ihm fremden sachlichen Belange des Technischen Museums nicht einmischen zu wollen. Daß unter diesen Umständen an eine Aufrechterhaltung oder Erneuerung der Funktionen des Kuratoriums nicht mehr gedacht wurde, ist selbstverständlich.

Im Jänner 1941 wurde das bis dahin private Forschungsinstitut für Technik­geschichte dessen ehrenamtlicher Leiter Hofrat Dr. Ing. Ludwig Erhard im Oktober des vergangenen Jahres gestorben war mit dem Technischen Museum vereinigt und zu seinem Leiter der derzeitige Direktor des Museums bestellt.

Zur Geschichte des Forschungsinstituts für Technikgeschichte, die in Heft 1 derBlätter für Technikgeschichte 8 dargestellt ist, muß ergänzend bemerkt werden, daß bereits im Jahre 1918 über Antrag der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften eineAkademie für technische Forschung und als deren Hilfs­einrichtung zum Zwecke der Aufrechterhaltung dauernder Beziehungen zur tech-

1 Anhang 4, S. 30.

2 Anhang 5 und 6, S. 31.

sBlätter für Technikgeschichte, Heft 1, S. 204, Verlag Julius Springer, Wien

1932.