Viktor Schützenhofer: Aloys von Widmanstatten.
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erste Majoratsherr ist 1678 in einem Diplom Kaiser Leopolds I., worin ihm der steirische Landstand und das Recht, sich „von und zu“ zu nennen, verliehen worden war, mit „Beckh zubenannt Widmanstetter“ angesprochen. Mit dem sich allmählich einbürgernden Gebrauch, das Wörtchen „von“ zur Adelsbezeichnung und für Prädikate, die nicht Namen landtäflicher Güter waren, zu benützen, nannten sich die Druckereierben Beckh von Widmanstetter, der letzte Drucker aber einfach — der neuen Schreibweise nach — Aloys von Widmanstatten. Während dieser mit mehr oder minder Recht, aber tatsächlich unangefochten, Adelsrechte beanspruchte, die Angehörigen der Familie Widmanstetter in deren erster Blüte, Mitte des 16. Jahrhunderts, verliehen worden waren, hatte die jüngere Linie Schwierigkeiten, den
Bild 1. Ansicht von Graz um 1800.
(Nach einer originalgetreuen Fotokopie von Kopist, Graz.)
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Adel der Familie Beckh nachzuweisen. Dieser jüngeren Linie hätte aber schließlich das Erbe des WiDMANSTETTENschen Fideikommisses zufallen müssen, da Aloys von Widmanstatten zeitlebens unvermählt blieb. Ihm war das Majorat bereits als Minderjährigem zugefallen, da sein Vater 1765 starb und er der einzige männliche Erbe war.
Vor Übernahme des väterlichen Betriebes besuchte Aloys von Widmanstatten die Universität in Graz, wo er sich insbesondere dem Studium realer Fächer und dem der Naturwissenschaften widmete. Familienunstimmigkeiten, die schon früher sein Interesse an der Druckerei abgekühlt hatten, spitzten sich entscheidend zu, als im Zuge der josefinischen Reformen einschlägige Privilegien ohne Entschädigung aufgehoben wurden. Zur Zeit der Gegenreformation — im Jahre 1650 — war die WiDMANSTETTENsche Druckerei von Kaiser Ferdinand III. als die einzige im Lande privilegiert worden. Di;ses erbliche Privileg wurde in der Folge den Inhabern des Fideikommisses Beckh-Widmanstetter mehrmals bestätigt. Aloys
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