2
Kurt von Lössl
der zweiten Reise war ebenfalls München Ausgangspunkt; sie führte in die Schweiz bis zum Gotthard und auf Umwegen wieder zur Isarstadt zurück. Eine weitere Reise begann mit einer Floßfahrt, die von München ausging und bis nach Wien führte; die Rückreise erfolgte zu Fuß. In den sehr ausführlichen Aufzeichnungen, die von diesen Reisen und Wanderungen vorliegen, ist auch deutlich Lössls frühes technisches Interesse zu erkennen, denn neben den Naturschilderungen finden sich häufig Berichte über Besichtigungen von Bergwerken, Wasserwerken und anderen technischen Anlagen.
In den Jahren 1836 bis 1841 studierte Friedrich von Lössl an der Universität München und gleichzeitig an der Münchener Polytechnischen Schule, auch belegte er einige Vorlesungen über Zeichnen an der Kunstakademie. Seine praktische Betätigung auf technischen Gebieten begann bereits vor Abschluß deriStudien im Jahre 1839: Durch die in den Dreißigerjahren des 19. Jahrhunderts zur Ausführung gelangten ersten Eisenbahnbauten angeregt, wandte sich Lössl dem Eisenbahnbau zu und trat im Jahre 1839 als Ingenieurassistent des Streckeningenieurs beim Bahnbau München—Augsburg im Baubüro Lochhausen ein. Seine Aufgabe waren zuerst Absteckungsarbeiten, Nivellierungen und Planzeichnungen, später auch die Beaufsichtigung der Bauarbeiten, insbesondere des Schienenlegens in verschiedenen Bauabschnitten.
Von 1839 bis zu seinem 1907 erfolgten Tode wirkte Lössl ununterbrochen als Ingenieur auf verschiedenen Gebieten der Technik. Vorerst bis in sein 46. Lebensjahr beschäftigte er sich hauptberuflich fast nur mit Eisenbahnbauten, war jedoch stets auch auf anderen Gebieten erfinderisch tätig. Das bereits in seiner Jugend bestehende Interesse für die Probleme der Luftfahrt füllte seine späteren Lebensjahre fast vollständig aus. L • ’
Wie sehr Lössl schon 'beim Bahnbau München—Augsburg auf die Ausnützung der Windkräfte bedacht war, geht aus einer Verbesserung des Feldbahnwagenantriebes hervor, die zu jener Zeit Aufsehen erregte: Die Bahnlinie hatte an einer Stelle einen großen Einschnitt zu durchqueren. Es waren infolgedessen bedeutende'Erdmassen beim Ausgraben des Einschnittes und bei der Aufschüttung der' anschließenden Bahndämme zu bewegen. Die Beförderung von derartigen Erdmassen wurde damals durch auf Schienen laufende, von Pferden .'ge-
Bild 1. Friedrich Ritter von Lössl (1817—-1907) im Alter von 45 Jahren.