Friedrich Ritter von Lössl.
3
zogene Rollwagen vorgenommen. Die heute allgemein verwendeten Bau- oder Feldbähnlokomotiven waren noch unbekannt. Um die Arbeit der Zugpferde zu ersetzen oder zu unterstützen, ließ Lössl einige Rollwagen mit Masten und Segeln ausrüsten. In der Tat konnten nach zufälligem Eintritt günstiger und konstanter Windströmungen bei der Beförderung der Erdmassen, wenn auch nur vorübergehend, nennenswerte Ersparnisse an Zeit und Kosten erreicht werden. An den Wagen nahm er verschiedene praktische Studien über Winddruck und Segelstellungen vor.
Im Jahre 1840 siedelte die München-Augsburg-Bahnbaudirektion, bei der Lössl nunmehr als Assistenzingenieur des Baudirektors tätig war, nach Nannhofen über. Nach Fertigstellung der Bahnlinie München—Augsburg im gleichen •lahr war Lössls Tätigkeit in der Bahnbaudirektion beendet: ein Anerkennungshonorar wurde ihm zugeteilt. Neben diesen Arbeiten hatte er seine Studien an der Universität fortgesetzt und legte nun das Examen für die mathematische Professur an der Polytechnischen Schule in München ab.
An seine Universitätszeit anschließend trat, der junge Professor eine ausgedehnte Studienreise nach Belgien und England an. Diese wurde meist noch im Pferdepostwagen zurückgelegt. Auf kleineren Strecken konnte schon die Eisenbahn benutzt werden. Die Reise führte von München über Nürnberg, Köln und Aachen nach Brüssel. In Belgien besichtigte Lössl verschiedene Maschinenfabriken. Von Brüssel aus ging es nach London. Auch dort studierte Lössl intensiv technische Neuerungen, insbesondere auch die Gasbeleuchtung. Erst nach viermonatiger Abwesenheit kehrte Lössl nach München zurück.
Hier bereitete er sich zum 'Staatseisenbahnbaudienst vor und wurde durch Dekret der kgl. bayerischen Eisenbahnkommission in Nürnberg im Juli 1841 zum technischen Assistenzingenieur in Meitingen ernannt. Als solcher war er beim Bau der Bahnlinie Augsburg—Donauwörth tätig und leitete insbesondere die Errichtung der Donaubrücke bei Donauwörth. 'Bei den Nivellierungs- und Trassierungsaufgaben bediente sich Lössl der Terrainaufnahme mittels Schichtenlinien, die von ihm Isopeden (Linien gleicher ,,Fuß“-Höhe) genannt wurden. Es handelt sich dabei um die heute allgemein übliche Darstellung der Höhenunterschiede auf Landkarten vermittels Linien gleicher Höhe. Lössl verwendete als erster diese Art der Kartenausführung und Höhendarstellung und entwickelte daraus später das Schichtlinienrelief, über das noch berichtet werden wird.
Im März 1842 waren die Projektarbeiten der Strecke Augsburg—Donauwörth abgeschlossen. Von Lössl wurde nunmehr die Linie Donauwörth—Harburg—Nördlingen—Öttingen trassiert und abgesteckt. Bei den nun beginnenden Arbeiten an der Donaubrücke 'bei Donauwörth benutzte Lössl bei der Überwachung der Fundierungsarbeiten zu den zehn Steinpfeilern ein amerikanisches Segelboot, durch das er wieder angeregt wurde, Studien über Winddruck vorzunehmen. 1843 wurde er als stellvertretender kgl. bayerischer Sektionsingenieur nach Lindau versetzt.
Seine Tätigkeit begann auch dort mit Terrainaufnahmen, in 'diesem Fall für die neu zu erbauende Bahnlinie Lindau—Immenstadt—Kempten. 1846 waren die Vorarbeiten für diesen Bahnbau beendet. Dessen Ausführung verzögerte sich