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Kurt von Lössl
glaubliche Zahl von Eisenbahnprojekton in Bayern, Österreich und Ungarn entstammt. seinem weitausblickenden Unternehmungsgeiste. Die dabei vielfach notwendigen Trassierungsarbeiten veranlaßten von Lössl, der kartographischen Aufnahme des Geländes eine erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Er brachte es hierin zu hoher Vollkommenheit und verdanken wir ihm so manche schätzenswerte Anregung.
Seiner Aufmerksamkeit entging nicht das in der Atmosphäre herrschende gewaltige Kräftespiel, das in den fortgesetzten Luftdruckschwankungen zum Ausdrucke kommt. Von Lössl verwertete diese Naturkräfte in wahrhaft genialer Weise. Er war meines Wissens der erste, der sich darüber klar wurde, welche Energiemengen hier unbenutzt verloren gehen, und mit Erfolg nach,forschte, wie sie zu verwerten wären. Hiezu baute er dünnwandige metallische Dosen und machte sie luftleer. Der stets wechselnde Luftdruck brachte sie in periodische Bewegung. Je nachdem er stieg oder fiel, drückte er -die Dose zusammen oder dehnte sie aus. Die hiebei auftretenden Kräfte benützte von Lössl in sinnreicher Weise, indem er sie mittels eines Hebelwerkes auf Federn oder auf Gewichte wirken ließ, um so die Kraft aufzuspeichern. Derart entstanden die Kraftspender für seine aerodynamischen Uhren.
In der Folge sehen wir von Lössl zahlreiche Vorträge über aeronautische Fragen halten und ihn endlich an die Spitze des ersten flugtechnischen Vereines unserer Monarchie gestellt. Dort entfaltete er — ungeachtet des Umstandes, daß die großen Massen der Frage der Flugtechnik damals noch mehr als skeptisch gegenüberstanden — eine sehr ersprießliche Tätigkeit. Er hatte dabei viel mit der fast allgemein verbreiteten Ansicht der Unlösbarkeit des Flugproblem,s zu kämpfen.
Umsonst verwiesen von Lössl und andere darauf, daß die Fledermäuse, die Vögel und die Insekten, ja selbst einzelne Fische fliegen, daß schon zu Anfang der Vierzigerjahre des vorigen Jahrhunderts die Engländer Henson und Stringfellow Flugzeuge entwarfen und tatsächlich ausgeführt hatten und Penaud in Paris im Jahre 1871 das erste Modell, das überhaupt geflogen ist, baute und später auch in Österreich Kress solche baute und fliegen ließ.
Wir feiern daher von Lössl heute mit Recht als einen der bedeutendsten Pioniere der Flugtechnik Österreichs, der mit 'Seherblick die Zukunft der Luftfahrt ahnte. Er erhielt noch Kunde der ersten -beglaubigten Flüge von Santos- Dumont.
Die Überzeugung der Möglichkeit, -die Luft mit. Flugzeugen zu durchschiffen, schöpfte -indessen von Lössl hauptsächlich aus seinen eigenen Luftwiderstandsversuchen. Was er auf diesem Gebiete durch unermüdliche Forscherarbeit Jahrzehnte hindurch geleistet hat, sichert ihm den Dank der Mit- und Nachwelt. Mit jugendlichem Feuer oblag er noch als Greis dem anstrengenden -Studium, die vielverzweigten -Gesetze des Luftwiderstandes verschieden geformter Flächen und Körper zu erforschen.
Er ersann und baute hiezu eigene, kunstvolle Apparate und Modelle, die durch ihre Bewegung den Widerstand der Luft verschieden geformter Körper und Flächen offenbaren sollten. Auch auf das Gebiet der Luftschrauben dehnte