Friedrich Ritter von Lössl.
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zeitigen großartigen Leistungen der Elektrizitätstechnik, nämlich Telegraphie. Telephonic und Phonographic sowie durch die geradezu wunderbare elektrische Kraftübertragung derart überholt und in tiefen Schatten gestellt wurden, daß dadurch alle Aufmerksamkeit von ihnen abgelenkt und ihre praktische Vervielfältigung zunächst vereitelt wurde. Ich sage — zunächst —, denn es dürfte noch einmal die Zeit kommen, wo man sich ihrer erinnern und sich ihrer auch bedienen wird.
Meine sonstigen auf Flugtechnik bezüglichen aerodynamischen Experimentalstudien, welche meines Wissens von niemandem sonst mit gleicher Intensität und Beharrlichkeit unternommen wurden, haben mir viel Vergnügen bereitet. Wenn sie auch nicht zu dem Riesenerfolge führten, den vollendeten menschlichen Kunstflug ins Leben zu rufen, sondern nur, wie ich glaube, ein klein wenig dazu beigetragen haben, die wissenschaftliche Erkenntnis der Luft in ihren mechanischen Eigenschaften ziu fördern, so 'kann mir auch diese Minimalleistung genügen. Ein vollkommener Kunstflug des Menschen, mit der Leichtigkeit, Geschwindigkeit und Sicherheit des Vogelflugs wird meines Erachtens zwar niemals zustande gebracht weiden, sondern nur etwas Ähnliches, für bestimmte Zwecke Beschränktes erscheint mir erreichbar. Der Weg hiezu liegt aber nicht in der lenkbaren Ausgestaltung der allzu monströsen Gasballons, sondern in der möglichsten Nachahmung des Vogelf luges mittels drachenartiger Apparate mit Etagenanordnung und Horizontalantrieb.“
Im Mai 1907 war Lössl bereits in Wien mit den Vorbereitungen zur Abreise nach Aussee beschäftigt: infolge einer Erkältung bekam er jedoch neuerlich eine Lungenentzündung, die ihn rasCh dahinraffte. Sein Tagebuch gibt noch vom 1. bis 4. Mai Kunde von seinem schweren Leiden und schließt mit dem 5. Mai. — Ein reiches Leben war beendet: er starb in Wien im Alter von 90 Jahren am 14. Mai 1907.
Anläßlich des dritten österreichischen Luftschiffertages wurde an der Villa Gentiana in Aussee eine Gedenktafel angebracht, bei deren Enthüllung, die am 5. Oktober 1913 stattfand, der Delegierte der Österreichischen aeronautischen Kommission, Oberstleutnant d. R. Hermann Hoernes eine Ansprache hielt, die Lössls Wirken würdigt; sie sei hier auszugsweise wiedergegeben:
„Friedrich Ritter von Lössl! Welchem Kenner der Geschichte österreichischer Flugtechnik würde bei Nennung dieses Namens das Herz nicht höher schlagen, wer würde nicht mit Begeisterung an den Mann denken, den wir eben im Begriffe sind zu feiern und der noch vor wenig Jahren — gleichsam ein Vertreter einer längst dahingegangenen Generation — unter uns wandelte und wirkte! Bis an die fernste Grenze menschlicher Daseinsmöglichkeit war es ihm vergönnt, ein Leben voll ungewöhnlicher Energie und Tatkraft im Dienste der Technik und Wissenschaft zu führen, wie es nur wenig Sterblichen vergönnt ist.
Wenn wir die Biographie von Lössl durchblättern, wächst bei jeder Seite unser Erstaunen über die Vielseitigkeit dieses 'Genies! Zu Anfang des verflossenen Jahrhunderts geboren, war er einer der ersten Ingenieure des Kontinents, die sich dem damals noch so jungen Eisenbahnbau zuwandten und die Zukunft des Schienenweges mit prophetischem Geiste ahnten. Eine fast un-