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Kürt von Lössl
von den Brüdern Wright aufgenominen. Audi diese begannen mit Gleitflügen, bei denen sie große Erfolge batten. Auf dem Gebiete des Motorfliuges wurde jedoch in diesen Jahren nichts Entscheidendes erreicht..^
Von 1900 bis 1902 erregten Nachrichten über viele Freiballonfahrten und insbesondere über die in Paris stattgefundenen Fahrten mit lenkbaren Ballons viel Aufsehen. Lössl zeigte auch für diese Versuche reges Interesse, obwohl er wiederholt betont hatte, daß er dem lenkbaren Ballon keine große Zukunft bei- niesse. Im Oktober 1900 schickte er seinen Sohn Hermann als Beobachter zu den Versuchen Zeppelins nach Friedrichshafen und wurde durch diesen von den Ergebnissen genau unterrichtet. Vom Jahre 1903 an beteiligte sich Lössl weniger an den Projekten selbst; trotzdem wurde er jedoch von den damaligen flugtechnischen Autoritäten sehr geachtet und öfter um Rat gefragt. In diesem Jahre besuchte der amerikanische Flugtechniker Chanute Kress und Lössl und tauschte mit ihnen Erfahrungen aus. Lössl, der jetzt schon über 80 Jahre alt war (Bild 7), zog sich nun von der Vereinstätigkeit zwar fast völlig zurück, experimentierte aber immer noch in seiner Ausseer Villa. Auch alle Vorgänge in der Welt, die sich auf flugtechnische Fragen bezogen, verfolgte er mit dem größten Interesse.
Auf Veranlassung einiger Freunde schrieb Lössl im Jahre 1903 einige biographische Notizen und gab in diesen auch eine Darstellung seines Lebenswerkes. Aus diesen Ausführungen geht unter anderem auch die sachliche, rein wissenschaftliche Einstellung dieses seltenen Mannes zum Luftproblem hervor: mit erstaunlicher Sicherheit äußert er sich darin über die Möglichkeiten des „Fluges mit Drachenapparaten“. Seine Ansichten wurden später durch die Entwicklung der Flugtechnik im wesentlichen bestätigt. Das zusammen fassen de Schlußwort dieser Abhandlung lautet:
„Bezüglich meiner Nivellierungen, Trassierungen, Bauprojektierungen und Bauleitungen liegen von mir jetzt gar viele Eisenbahngeleise und Eisenbahnstationen, auf welchen neben Millionen Tonnen Fracht sich Hunderttausende von Menschen herumtummeln. So oft ich aber selbst darauf verkehre, erinnere ich mich dabei, sowohl wachend als auch im Schlafe, mit herzinnigem, heimlichem Vergnügen an die zahllosen Details meiner einstigen eifrig 'betriebenen und glücklich beendeten Mitarbeit. Diese Erinnerung genügt mir.
Was aber meine Erfolge bezüglich des Luftstudiums betrifft, so schwanken meine Gefühle einigermaßen. Ich glaube, daß die autodynamischen Uhren mit ihren atmosphärischen Motoren und luftgebremsten Kompensationspendeln während ihres allzu langwierigen Zustandekommens hauptsächlich durch die gleich-
Bild 7. Friedrich Kitter von Lössl in seinen letzten Lebensjahren.