Goethe, Naturwissenschaften und Technik.
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gehenden oder der Vollendung näheren Ärzten. loh hörte in diesen Münden gar keim anderes Gespräch, als von Medizin oder Naturhistorie, und meine Einbildungskraft -wurde in ein ganz anderes Feld hinübergezogen ... Viele Benennungen und eine weitläufige Terminologie wurden mir nach und nach bekannt.“ Die medizinischen Fächer kamen dem angeborenen Hang Goethes zum Sinnfälligen entgegen. Er studierte Paracelsus und Boerhaave. In Weimar 'beschäftigte sich der Dichter auch mit Anatomie. Sein ganzes Leben hindurch pflegte er den mündlichen und schriftlichen Verkehr mit Ärzten.
Trotzdem sagte Goethe einst humorvoll: „loh habe wieder die Medizin zu Hilfe gerufen; so lange sie als Schlotfeger zu wirken hat, habe ich Vertrauen zu ihr.“ Außerdem besitzen wir von Goethe eine fröhliche Lobrede auf die Chirurgie, die lautet: „Ich sage dir mein Kind, ein Chirurgus ist der verehrungswürdigste Mann auf dem ganzen Erdboden ... der Medicus kuriert die eine Krankheit weg, die andere herbei und du kannst nie recht wissen, ob er genützt oder geschadet hat. Der Chirurgus aber befreit dich von einem reellen Übel, das du dir selbst izugezogen hast oder das dir zufällig oder unverschuldet über den Hals gekommen; er nützt dir, schadet, keinem Menschen, und du kannst didh un- widersprechlich überzeugen, daß deine Kur gelungen ist.“
In den Gesprächen mit Eckermann sagte Goethe: „Es ist unglaublich, wieviel der Geist zur Erhaltung des Körpers vermiag. Ich leide oft an Beschwerden des Unterleibs, allein der geistige Wille und die Kräfte des oberen Leibes halten mich im Gange. Der Geist muß nur dem Körper nicht nachgeben.“
Und in einem seiner Briefe schrieb er allerdings auch:
„Man ist übel daran, wenn man den Ärzten nicht vertraut und doch ohne sie eich nicht <zu helfen weiß.“
Auch reimte er:
„Viel Wunderkuren gibts jetzunder Bedenkliche, gesteh ich frei,
Natur und Kunst tun große Wunder Und es gibt 'Schelme nebenbei.“
Das Vertrauen zum Arzt war jedoch bei Goethe bewußt und gewollt, aber durchaus nicht frei von Skeptizismus. „Probiert mir immer“, sagte er, „der Tod steht in allen Ecken und breitet die Arme nach uns aus, aber laßt euch nicht stören“.
Was die Arzneimittel zur Zeit Goethes anlangt, so ist zu sagen, daß Goethe an der Grenze jener Zeitepoche lebte, wo Kraut und Wurzel als Heilmittel von den aus diesen hergestellten chemisch reinen Produkten der Naturdroge verdrängt zu werden drohten.
Unter den Heilmitteln, die Goethe gebrauchte, spielten wohl die größte Rolle die Mineralwässer und Bäder. Nach einem Bericht von Hof rat Vogel soll er jährlich über 400 Flaschen des Marienbader Kreuzbrunmens getrunken haben.
Ein besonderes Interesse zeigte Goethe übrigens für Giftstoffe im engeren Sinn. In seinen Jugendjahren beurteilte er die Alkoholfrage anders als im späteren Alter. Kaffee trank Goethe gern, doch nie in großen Mengen. Er war