6
Franz Kirn Bauer
nicht nur Nichtraucher, sondern auch ein ausgesprochener Feind des Tabaks. Im Gespräch sagteGoETHE einmal: „Es gibt kein Gift. Alles kommt auf die Dosis an!“
Fachliches Interesse gewann Goethe selbst an Fragen der Toxikologie. Er hatte einem Epigramm des römischen Dichters Ausonius entnommen, „ein Weib habe ihrem Manne Gift gegeben, davon habe er sich schlecht befunden, sey aber nicht geschwind genug gestorben; darauf halbe sie ihm Quecksilber beigebracht und er sey auf einmal frisch und .gesund geworden“. Was mag das für ein Gift gewesen sein? Diese an Döbereiner gerichtete Frage wurde dahingehend beantwortet, daß es sich nur um ein Quecksilbersuiblimat gehandelt 'haben könne.
Noch mit einer zweiten toxikologischen Frage befaßte sich Goethe. Der Jenaer Chemiker Runge zeigte ihm die Wirkung des Hyoscyamussaftes auf ein Katzenauge (Erweiterung des Augen sterns). Daß das Hyoscyaimus auch eine staik zentral 'beruhigende Wirkung besitzt, konnte Goethe reichlich an sich wabrnebmen. Verschaffte es Ihm manchmal nur „erquicklichen Schlaf mit ergötzlichen Träumen“, so empfand er anderseits doch auch die zu sehr lähmende Wirkung und sprach von seinem „durch Hyoscyamus gar sehr umnebelten Gedächtnis“.
Der .'Besuch Runges bei Goethe ward übrigens sogar zum Ausgangspunkt einer Entdeckung von großer Tragweite. Runge fand nämlich in den Kaffeebohnen, die Goethe ihm mit den Worten überreicht hatte: „Auch dies können Sie zu ihren Untersuchungen brauchen“, das Coffein.
Mathematik. Für alle Wissenschaften war Goethe aufgeschlossen, in alle Wissenschaften einzudringen und sie zu erfassen war er bemüht, bloß die Mathematik machte davon eine Ausnähme.
Goethes Natur war der Mathematik fremd. Er kann sich „keiner Kultur von dieser Seilte rühmen“ und bekennt, daß er völlig unfähig sei, mit Zeichen und Zahlen zu operieren. Daher kommt es, daß Goethe, als es entschieden war, daß die mathematische Behandlung der Farbenlehre sich mit seiner Theorie nicht vereinigen ließe, die Überzeugung gewinnen konnte, daß die Anwendüng der Mathematik auf die Erklärung der Naturerscheinungen (mit Ausnahme der Mechanik und Astronomie) einen Mißbrauch darstelie. Aus allen anderen Zweigen der Naturwissenschaften sollten die „mathematisch-philosophischen Theorien“ verbannt werden, „in welchen sie Erkenntnis, anstatt Sie zu fördern, nur verhindern und in welchen die mathematische Behandlung eine so verkehrte Anwendung gefunden hat.“
Goethe sagte auch: „Es geht über alle Begriffe, wie zur Unzeit Newton der Geometer in seiner Optik macht; es ist nicht besser, als wenn man die Erscheinungen in Musik setzen oder in Verse bringen wollte, weil man Kapellmeister oder Dichter ist.“ Goethe meinte also, nur weil Newton zufällig Mathematiker war, behandelte er die Physik mathematisch.
„Wir müssen erkennen und bekennen, was Mathematik sei, wozu sie der NaturforsChung wesentlich dienen könne, wo hingegen sie nicht hingehöre und in welche klägliche Abirrung Wissenschaft und Kunst durch falsche Anwendung seit ihrer Regeneration (d. h. seit der Renaissance) geraten sei“, ruft Goethe ein andermal aus. Mit dieser Auffassung steht Goethe im schärfsten Gegensatz zu