Franz Kirnbauer
Aufstellung von Rot, Gelb, Blau als Elementarfarben kommt. Weiß und Schwarz erscheinen ihm als einfach, nicht aus Farben zusammengesetzt. Die Grundeinstellung 'Goethes ist auch hier ausgesprochen subjektivistisch.
Meteorologie. Das Interesse Goethes gegenüber den meteorologischen Fragen war bedeutend. In seinen Dichtungen, Tagebüchern und überlieferten Gesprächen findet man zahllose Beobachtungen aus dem Gebiet der Meteorologie, die auch heute noch von Wert sind. So schreibt Goethe einmal: „Den ganzen Komplex der Witterumgsiknnde, wie er tabellarisch durch Zahlen und Zeichen auf- gestellt wird, zu erfassen oder daran auf irgendeine Weise teilzunehmen, war meiner Natur unmöglich.“ Doch für Beobachtungen, ohne mathematisches Beiwerk, war der Dichter jederzeit sehr aufgeschlossen.
Die 'Gestalt der Wolken fesselte Goethe stets in besonderem Maße. Im Jahre 1815 wurde er mit einer zwölf Jahre früher erschienenen Schrift des Engländers
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Bild 2. Wolkenformen (Handzeichnung Goethes). Darstellung der noch heute gebräuchlichen Einteilung in vier Grundformen: Feder-,’Haufen-, Schicht- und Regenwolken.
Luke Howard bekannt, der die Vielfalt der Wolkengebilde auf vier Grundformen: Cirrus (Pederwolike), Cumulus (Haufenwolke), Stratus (Schichtwolke), Nimbus (Regenwolke) zurückführte. Goethe setzte sich mit Begeisterung für diese neue Terminologie ein und trug durch seinen Aufsatz „Wolkengestalt nach Howard“ sowie durch sein Gedicht „Howards Ehrengedächtnis“ viel zur Verbreitung dieser Ausdrücke bei (Bild 2). Diese sind die noch heute gültigen Bezeichnungen für die vier Grundformen 'der Wolken. Einen weiteren Typ Paries (Wandwolke) versuchte Goethe noch lauf zustellen, konnte damit aber nicht durchdringen.
Zu erwähnen ist auch der Aufsatz Goethes „Versuch einer Witterungsilehre“ (1825), der verschiedene vergleichende graphische Darstellungen der Barometerstände verschiedener Orte enthält. Goethe glaubte aus dieser graphischen Darstellung entnehmen zu können, daß der Luftdruck an allen Punkten der Erdoberfläche den gleichen Gang zeigt. Er führte diese Erscheinung auf eine Schwankung in der Stärke der Schwerkraft zurück. Es fände gleichsam ein Ein- und Ausatmen der Erde statt, oder, um ein anderes Bild zu gebrauchen, ein „Bändigen und Entlassen der Elemente“. Überlagert wäre diese nichtperiodisohe Schwerkraftschwankung von einer leichten periodischen Oszillation, womit Goethe die lange ungeklärte Tatsache verständlich zu machen suchte, daß der Barometergang an