Goethe, Naturwissenschaften und Technik.
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einem Ort, 'abgesehen von der sonstigen Luftdruokschwankung, täglich stets zwei Maxima und zwei Minima hat. Diese Anschauung ist aber als eine vom heutigen Standpunkt als mißlungene systematische Darstellung zu werten, denn es war nicht nur die Annahme, von der Goethe ausging, falsch, sondern auch bereits für seine Zeit unzulässig.
Zu erwähnen ist noch, daß unter Goethes Mitwirkung im Großherzogtum Weimar eine Anzahl von meteorologischen Stationen eingerichtet wurden, für deren Beobachter er selbst eine Anleitung verfaßte.
Biologie. Nach den alchemistischen Studien der Jugendzeit begannen Goethe die Zoologie und Botanik zu fesseln. In seinem umfassenden Forschungsdrang stellte er sich die Aufgabe, die sich ihm darbietende Mannigfaltigkeit der 'Gestalten nach einem umfassenden Leitgedanken zu ordnen. Eifrig verglich er daher Skelette zahlreicher Wirbeltiere und fand bei allen dieselben Knochen wieder, mochten sie auch im einzelnen weitgehend verändert sein. Das so erkannte einigende, gleichsam urbiidliche Prinzip nannte Goethe bei den Wirbeltieren den „osteologiisChen Typus“. In der Botanik sprach er in analoger Weise von einer „Urpflanze“. Daß er beim Menschen den Zwisohenkiefer- knoChen entdeckte, war 'für ihn der schönste Beweis für die Richtigkeit seiner Grundidee vom einheitlichen Typus aller Wirbel wesen.
Dem Typus entgegen wirkt eine ins Grenzen- und Formlose drängende „Urkraft der Natur“, ein Prinzip der Umgestaltung, das Goethe Metamorphose nennt. Doch wendet er diesen Ausdruck verschieden an und unterscheidet u. a. die simultane und die sukzessive Metamorphose. Ein Beispiel für simultane Metamorphose ist die Wirbeltheorie: Schädel und Rückgrat der Wirbeltiere setzen sich aus mannigfach veränderten WirbelfcnoChen zusammen. — So wies Goethe nicht nur auf die einheitlichen Baupläne großer Gruppen von Lebewesen, sondern auch auf den Aufbau jedes einzelnen aus verschiedenartig umgewandelten Grundbestandteilen (Blatt, Wirbel) hin. Die sukzessive Metarnorphose aber besagt: Das Grundorgan einer Blutenpflanze, das „Blatt“, tritt nacheinander verschiedenartig abgewandelt als Laub-, Kelch-, Blüten-, Staub-, Frucht- und Samenblatt in Erscheinung. — Die Gedankengänge Goethes können jedoch nicht im Sinne einer konkreten Entwicklung hoohdifferenzierter Tierformen aus primitiveren gedeutet werden. Goethe war kein Mitbegründer der Abstammungslehre. Indem er aber trachtete, die Mannigfaltigkeit der organischen Gestalten auf ein einheitliches Prinzip zurückzuführen, erleichterte er den späteren Vertretern der vergleichenden Anatomie den Weg zur Abstammungslehre wesentlich, und diese haben sich auch stets auf ihn berufen. Darüber hinaus wird Goethes Name immer verbunden bleiben mit der Aufstellung der wissenschaftlichen Morphologie als Lehre von den 'Gestalten des Lebendigen.
Im einzelnen ist über Goethes Natu rfors drang auf dem Gebiet der Biologie noch folgendes hervorzuheben: Die ersten Arbeiten begannen 1782 am Zwischenkieferknochen. Der Zwischenkiefer ist das Mittelstüok des Oberkiefers mit den oberen Sohneidezähnen, bei den Säugetieren meist ein selbständiger Knochen, von Nähten umgrenzt, beim Menschen aber mit dem übrigen Oberkiefer verwachsen bei höchstens teilweise erkennbaren Nähten. Die Anatomen sprachen