Aufsatz 
Goethe, Naturwissenschaften und Technik / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Goethe, Naturwissenschaften und Technik.

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er ein Eisenmonooxydihydriat von der Formel Fe 2 0 3 .H 2 0, das früher fälschlicher­weise auch den Namen Eisengliimmer führte.

II. Goethe und die Technilk.

Goethe, der überragend große Dichter, Seher und Forscher auf allen Ge­bieten des menschlichen Wissens, hat uns gelehrt, die Schöpfungen des mensch­lichen Geistes als Bildungselemente in uns aufzunebmen. Er war der große liebendige, der den Menschen in den Vordergrund stellte, von ihm ausging und zu ihm izurückkehrte. Das Streben nach Vollständigkeit und Zusammenfassung war der Inbegriff seines Wirkens.Von Innen heraus sein Leben auferbauen, schien ihm die große Aufgabe. Goethe, der Baumeister seines eigenen großen Lebens, konnte somit den Bausteinen der ihn umgebenden Technik in ihrer Viel­gestaltigkeit nicht aus dem Wege gehen. Er tat mehr, er schätzte die Technik, er suchte sie auf, und das in der Technik verkörperte menschliche Schaffen zog ihn immer wieder von neuem an.

Schon in den Kinder jahren kam Goethe im Auftrag des Vaters viel mit Handwerkern zusammen. Diese handwerkliche Technik ist noch nicht hinter großen Mauern abgesondert, denn Werkstatt und Wohnung gehen noch ineinan­der über. Als Goethe im April 1770 die Straßburger Universität besuchte, be­obachtete er eingehend die Bauformen des Straßburger Münsters. Aber nicht nur die Landschaft und Architektur, sondern vor allem auch die Technik interessier­ten ihn lauf seinen Reisen. Er achtete auf die Linienführung der Straßen und die Ausführung der Straßendecke. Von Straßburg aus kam Goethe nach Saar­brücken, wo er zum erstenmal den Steinkohlenbergbau kennenlernte. Der bren­nende Berg von Dudweiler machte auf ihn einen nachhaltigen Eindruck. Die großen Eisenhütten und Alaunwerke, Glashütten und manche andere industrielle Anlagen erweckten, wie bereits erwähnt, ebenfalls sein Interesse. An dieses erste technische Schauen im Saargelbiet erinnerte sich Goethe später gern bei seinen auf die Förderung der Industrie gerichteten Bestrebungen.

Am 7. November 1775 traf Goethe in Weimar ein. Aus einem Besuch des ihm befreundeten Fürsten wurde ein Lebensaufenthalt von 57 Jahren. Das da­malige Weimar war ein kleines Landstädtchen von 6000 Einwohnern, abseits der großen Verkehrsstraßen. Goethe war nicht nur der frohe, lebenslustige Freund des genialen Fürsten, sondern auch sein treuer Berater und Helfer. Herzog Karl August hatte Goethe im Jahre 1776 zum Mitglied des Geheimen Staats rates in Weimar ernannt. Durch die Annahme dieses Amtes 'unterwarf sich Goethe, mitten in dem Sturm und Drang seines großen Löbens, einer verantwortungsvollen Pflichtarbeit, die ihn aber auch befriedigte. Seine dienstliche Beschäftigung als Geheimer Rat führte ihn mit den verschiedenartigsten technischen, handwerk­lichen und industriellen Fragen des Landes zusammen. Die Arbeit auf dem Ge­biet der Technik, die Goethe jetzt zu leisten hatte, erstreckte sich auf die Leitung der Bergwerksverwaltung sowie der Kriegs-, Wasserbau- und Wegeerhaltungs­kommission. Es wurden Verbesserungen der Straßen geplant und ausgeführt, auch mußte entschieden werden, welche Bauweise und welche Linienführung zu wählen war.