22
Franz Kirnbauer
Ganz eingehend mußte sich Goethe mit Fragen des Bergbaus befassen. Denn früher einmal hatte 'bei Ilmenau, einem kleinen thüringischen Landstädtchen nahe dem Ursprung der Ilm, ein Silbererzbergwerk bestanden. Seit dem 15. Jahrhundert hatte man hier auf silberhaltigen Kupferschiefer geschürft. Aber der Bergbau lag jetzt still (Bild 8), die Stadt war völlig verarmt. Der Versuch, hier Hilfe zu bringen, war eine der ersten Regierungshandlungen Karl Augusts. Er bea.uftragte Goethe, das Bergwerk wieder in Betrieb zu nehmen. Wilhelm Heinrich v. Trebra, der damalige Bergmeister von Marienberg und spätere Berghauptmann von Clausthal im Harz, gab ein Gutachten ab, worin die Wiederaufnahme des Bergwerkes von Ilmenau als aussichtsreich bezeichnet
Bild 8. Verfallenes Bergwerk bei Ilmenau (Handzeichnung Goethes).
. Cs
wurde. Am 24. Februar 1784 wurde der Bergbau feierlich wiedereröffnet und mit dem Aibteufen eines Schachtes begonnen (Bild 9). Aber bald stellten sich starke unterirdische Wasserzuflüsse ein, so daß man große Wasserräder zu deren Hebung einibauen mußte. Schließlich konnte man aber am 3. September 1792 doch das Kupferschieferflöz erreichen. Seine Erzführung erwies sich jedoch zunächst als nicht genügend. Im Oktober 1796 erfolgte ein so starker Wassereinbruch, daß man froh sein mußte, zwölf Bergleute vor dem Tod des Ertrinkens >zu retten. Mit den technischen Mitteln der Wasserhaltung von damals konnte man hier nichts erreichen. Das Werk war erledigt, der Betrieb wurde 1798 endgültig aufgegeben. 76.000 Reichstaler hatte dieser Bergbau, den Goethe „das ungezogenste Kind der Geschäftsfamilie“ nannte, verschlungen. Trotz des technischen und geschäftlichen Mißerfolges war der innere Gewinn für Goethe dennoch nicht gering. Im Jahre 1824 sprach er zum Kanzler v. Müller die Worte: „Ilmenau hat mir viel Zeit, Mühe und Geld gekostet; dafür halbe ich aber auch etwas dabei gelernt und mir eine Anschauung der Natur erworben, die ich um keinen Preis Umtauschen möchte.“