Goethe, Naturwissenschaften und Technik.
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In der Zeit, als Goethe mit so viel persönlicher Anteilnahme den Bergbau in Ilmenau zu fördern suchte, ließ er naturgemäß keine Gelegenheit unbenutzt, um sich selbst mit der schwierigen Materie der mineralogisch-geologischen und technischen Seite des Bergbaus bekanntizumachen sowie sich auch in anderen Gegenden um bergbauliche Fragen zu kümmern. So finden wir Goethe im Jahre 1777 im Harz. Erlkam über'Goslar nach dem Rammeisberg und nach Clausthal- Zellerfeld, wo er die 'Gruben und Hütten eingehend studierte. Nach seiner fluchtartigen Italienreise, von der er 1790 'zurückk ehrte, führte ihn im gleichen Jahr sein Weg mit seinem Herzog mach dem Osten Deutschlands. Er lernte Breslau und Ober-
Bild 9. Bergwerkskaue (bergmännische Betriebsgebäude) bei Ilmenau (Handzeichnung
Goethes).
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Schlesien kennen, wohin ihn die Reise in Begleitung des Grafen Reden, des großen Bergmannes und Industriebegründers in Oberschlesien, führte. In Tarmowitz sah er, daß man nicht nur in Ilmenau mit den Wassern kämpfen mußte. Goethe hatte hier Gelegenheit, zum erstenmal izu sehen, wie man Wasser mit Feuer heben kann. Die Maschine stammte aus England. Das war die erste und wohl auch einzige Dampfkraftmaschine, die Goethe gesehen hat.
Eine der wichtigsten Industrien des 18. Jahrhunderts war die Textilindustrie. Goethe erlebte die großen in England gemachten Fortschritte der Mechanisierung dieses alten handwerklichen Betriebes. In Weimar gab es Strumpfwirkereien, die ihm manche Sorgen machten. 1779 finden wir eine Bemerkung in seinem Tagebuch, wonach 100 Stühle stilliegen. In seinen „Wanderjahren“ beschäftigte sich Goethe gerade auch mit diesen Problemen. Die Umstellung von der Handarbeit zur Maschinenarbeit war vor der Tür. Der Übergang vom Ackerbaustaat zum Industriestaat fing an, sichtbar >zu werden. Goethe verstand es aber auch hier, nicht nur die eine Seite zu betrachten, sondern zu erkennen, wie in der Maschine