Goethe, Naturwissenschaften und Technik.
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wurden. Die Probleme der Herstellung von Mangan- und Siliciumstahl sowie der Ausnutzung der Kontaktwirkung von Platin erörterte er ebenfalls mit Döber- einer. Schließlich ist noch anzuführen, daß Goethe sich auch eingehend auf dem Gebiet des Wasserbaus betätigte, wobei er sich der Saaleregulierung bei Jena besonders annahm. Dazu kamen noch Fragen des Feuerlöschwesens und des Bauwesens.
Die größte technische Tat in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, den Bau von Eisenbahnen, sah Goethe nicht mehr mit eigenen Augen. Er hörte aber davon viel durch seine englischen Freunde, von denen einer ihm in den letzten Lebensjahren für die Enkelkinder eine Spielzeugeisenbahn sandte (Bild 11). Auch hat Goethe sicher oftmals jene damals so verbreiteten Blätter zu sehen bekommen, die den Bau der ersten englischen Eisenbahn, ihre Einrichtungen und ihren Fahrpark darstellten. In den EcKERMANN-GespräChen wird die Eisenbahn einmal erwähnt. In diesen wird berichtet, daß Goethe 1828 sich wie folgt aussprach: „Mir
Bild 11. Spielzeugeisenbahn, Geschenk englischer Freunde an Goethe für dessen
Enkelkinder.
ist nicht bange, daß Deutschland eins werde. Unsere guten Chausseen und künftigen Eisenbahnen werden schon das Ihre tun.“
Auch mit dem Flugwesen hat sich Goethe eingehend beschäftigt, soweit dies der Stand dieser Sondertechnik in seiner Zeit zuließ. Schon in der Studierstubenszene des ersten Teiles von „Faust“ finden wir die Verse: „Ein bißchen Feuerluft, die ich bereiten werde, hebt uns behende von dieser Erde.“ Und weiter jene, die Goethes Sehnsucht, aber auch den in seinen Jugendjahren begreiflichen Verzicht diesem Wunschtrauim der Menschheit gegenüber ausdrücken: „Ach! Zu des Geistes Flügeln wird so leicht kein körperlicher Flügel sich gesellen!“
Als in Weimar 1783 die erste Nachricht über die Pionierflüge der Mongol- fieren und Charlieren eintrafen, erfaßte den Weimarschen Hof geradezu ein „aerostatischer Rausch“. Goethe selbst stellte sich an die Spitze einer Gruppe, die zu praktischen Versuchen schritt. Über deren Erfolg berichtet der Dichter am 9. Juni 1784 dem Anatomen Sömmering nach Kassel: „In Weimar haben wir einen Ballon von Momgolfierscher Art steigen lassen, 42 Fuß hoch und 20 im größten Durchmesser. Es ist ein schöner Anblick .. .“
Es gibt aber auch einen Beweis dafür, daß Goethe schon vor den ersten 'aus Frankreich erhaltenen Nachrichten über die dortigen Flugversuche an solche gedacht hat. Nahm er doch in den Entwurf einer größeren Arbeit vom April 1821,