Aufsatz 
Goethe, Naturwissenschaften und Technik / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Franz Kirnbauer

dieNaturwissenschaftlicher Entwicklungsgang heißen 'und Goethes Stellung zur Naturwissenschaft und zur Technik in den einzelnen Abschnitten seines Lebens darstellen sollte, folgende Sätze auf:

Die Luftballone werden entdeckt.

Wie nah ich dieser Entdeckung gewesen.

Einiger Verdruß, es nicht selbst entdeckt zu haben. Baldige Tröstung.

Die Sätze aber, mit welchen Goethe diesen Entwurf einleitete, der im 11. Band der lObändigen Weimarer Ausgabe von 1893 abgedruckt ist, lauten:

.Schönes Glück, die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts durchlebt zu haben.

Große Vorteile, gleichzeitig mit großen Entdeckungen gewesen zu sein. Man sieht sie an als Brüder, Schwestern, Verwandte, ja insofern man selbst mitwirkt, als Töchter und Söhne.

Bergbau und Einstellung zu den sozialen und technischen

Problemen der Zeit.

Wenn wir uns nun fragen, welche Einstellung Goethe gegenüber den techni­schen und sozialen Problemen seiner Zeit hatte, so geben uns zahl reiche Aussprüche und Briefstellen hierüber Aufschluß. Die Grundidee, die Goethe seiner ganzen humanistischen und philantropiisehen Einstellung nach aus der schwungvollen Sturm- und Drangzeit seiner Jünglingsjahre in seine Amtstätigkeit als Mitglied des Geheimen Staatsrates nach Weimar mitbrachte, war der ehrliche Wunsch, die Menschen, soweit es in seinen Kräften stand, glücklich zu machen. Mit dieser idealen Auffassung trat er auch an die damit zusammenhängenden Probleme so­wie an alle technischen Fragen des Ilmenauer Bergbaus heran. Sowohl ihm als auch Herzog Karl August lag es am Herzen, dem Notstand, der infolge Nieder­gang des früheren Bergbaus und Zerrüttung der Finanzen damals in Ilmenau herrschte, nach Kräften zu steuern. Es waren dieselben sozialen Gesichtspunkte, die auch heute wieder im Vordergrund stehen: Behebung der Arbeitslosigkeit so­wie Stärkung des Wirtschaftslebens und der Steuerkraft durch Schaffung neuer Erwerbsquellen in Stadt und Land. Wiie weit die 'Sorge um die Gründung neuer Manufakturen im Lande ging, mag daraus ersehen werden, daß sogar im Brief­wechsel Karl August und Goethe solche Probleme erörtert wurden. So schrieb der Herzog nach einer Englandreise aus Aachen am 6. August 1814 an Goethe:

Was Mechanik betrifft, da ist England das wahre Paradies dieser Wissenschaft. Einige Meilen nördlich von Birmingham brachte mich Herr Watt zu Steinkohlen- und Eisensteingruben, bei welchen auch gleich die Usinen, Hammer und Ziehereien befind­lich waren; dorten brannten zugleich die Herde von 250, sage zweihundertfunfzig Ma­schinen, auf der Fläche von einer Quadratstunde, welche alle einer Gewerkschaft ge­hörten. Und solche Gewerkschaften waren dort mehrere, die aneinander grenzten, der­gestalt, daß ich nicht zu viel sage, wenn ich vermute, mehr wie tausend solcher Feuer- sch'lünde zu gleicher Zeit rauchen gesehn zu haben. Die Sonne wird davon meilenweit verdunkelt und die ganze Gegend ist mit einem schwarzen Staube, dem Niederschlage dieser Rauche bedecket. Dazu brennen an machen Stellen Steinkohlenflöze und ver­mehren di eses Gewölke ...

In der ländlichen Umgebung von Ilmenau, auf den Höben des Thüringer Waldes, Ikam Goethe zum ersten Male der soziale Gegensatz zum Bewußtsein, der zwischen der Armut der Gebirgsbevölkerung und dem verschwenderischen