Aufsatz 
Goethe, Naturwissenschaften und Technik / von Franz Kirnbauer
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Franz Kirnbauer

der einfache Handarbeiter, seine tägliche körperliche Arbeit zu verrichten hat. Daß hieJbei Goethe den Faktoren der bergmännischen Handarbeit sein beson­deres Interesse zugewandt hat, ist aus manchen seiner Äußerungen zu entnehmen.

In seinen Briefen aus der Ilmenauer Zeit betonte er mehrfach die Schwierig­keiten einzelner Arbeiten, so z. B. dieböse und gefährliche Arbeit der Er­weiterung der Radstube im Johannisschacht und dasumständliche und gefähr­liche Arbeiten beim Einbringen der Pumpensätze am Kunstzeug. Bei den Ge- steinsarbeiten mußten ihm bald Unterschiede aufgefallen sein. Er konnte fest­stellen, daß die Arbeiten verschiedene Grade der Bewertung erforderten, je nach der Härte und Lagerung des Gesteins und nach dem Maß von Geschicklichkeit und Kraft, das bei der Arbeit aufzuwenden war. Als Goethe an seinen Freund Knebel über den Fortgang des Schachtabteufens in Ilmenau berichtete, schrieb er:Wir haben wenig über gute Leute bey der Anstalt. Damit wurde das Leistungsprinzip klar gekennzeichnet.

Aber Goethes Beobachtungen gingen weiter. Schon frühzeitig, bei seinem ersten Blick in die Industrie des Saargebietes, war ihm aufgefallen, wie eine all­mähliche Verdrängung der Handarbeit durch maschinelle Einrichtungen sich an­bahnte. Er begrüßte es als einen kulturellen Fortschritt, daß sich die Maschinen­arbeitan die Stelle gemeiner Hände setzte und daß die Apparatur als Ersatz für Handarbeitin einem höheren organischen Sinne wirkte, von dem Verstand und Bewußtsein 'kaum zu trennen seien. Auch später in Ilmenau konnte er eine ähnliche Entwicklung beobachten. Er fandein stilles, mäßiges, öoonomisches Streben, und überall den Übergang vom Handweik zum Maschinenwerck. Daß Goethe die masChinentechnische Entwicklung des Bergbaus im Harz, in Ober­schlesien und im Erzgebirge mit Interesse verfolgte sowie daß er in Ilmenau bei der Vervollkommnung des Maschinenbetriebes selbst mitwirkte und fremde Er­fahrungen dabei ausnutzte, mag nebenbei kurz erwähnt werden.

In iseinen reiferen Jahren erlebte Goethe noch das Erwachen des Zeitalters der Technik. Alsbald erkannte er die weitreichende Bedeutung der Dampf­maschine. Der 'Entwicklung des Dampfschiffes und der Dampfeisenbahn brachte er in seinen letzten Jähren großes Interesse entgegen. Auch hatte er bereits eine Vorahnung von der künftigen Bedeutung der Elektrizität, die er in ihrer alles durchdringenden geheimnisvollen Kraft symbolisch alsWeltseele bezeichnete.

Und doch sind ihm als dem Hüter der geistigen Güter und Ideale der Mensch­heit bereits damals Bedenken aufgestiegen gegen ein künftiges Übergewicht der mechanischen, materiellen und rein sachlichen Einschätzung aller Lebenswerte, die ihn zu dem Ausspruch veranlaßten:Das ülberhiandnehmende Maschinenwesen quält und ängstigt mich; es wälzt sich heran wie ein Gewitter, langsam, langsam, aber es hat seine Richtung genommen; es wird kommen und treffen. Er er­kannte also eine drohende Gefahr für das geistige Wesen und Wachstum der Menschheit. Es ist, als ob seine Worte unserem mechanistischen Zeitalter eine W'arnung zurufen wollten, nicht bloß in dieser einen Hinsicht, sondern auch noch nach manchen anderen Richtungen hin.

Goethes Ideen über Wesen und Wert der menschlichen Handarbeit finden noch an anderer Stelle eine weitere Ausgestaltung, und zwar in seinen Gedanken

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