Goethe, Naturwissenschaften und Technik.
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die aber 'niemals auf der höhen Warte des luarmonisehen Überblicks stehen werden und denen die innere Befriedigung im technischen Schaffen stets fehlen wird. Wie sagte doch Goethe bei der Betrachtung von Schillers Schädel:
Was kann der Mensch im Leben mehr gewinnen,
Als daß sich Gott Natur ihm offenbare,
Wie sie das Feste läßt zu Geiist zerrinnen,
Wie sie das Geisterzeugte fest bewahre.
und ferner:
Die Zukunft decket Schmerzen und Glücke Schrittweis dem Blicke,
Doch ungeschrecket Dringen wir vorwärts ...
In diesen Äußerungen offenbart sich GoETHEscher Forschergeist, der auch uns Technikern der Gegenwart allzeit ein Vorbild sein soll. Denn
Wär nicht das Auge sonnenhaft,
Die Sonne wünd es nie erblicken,
Läg nicht in uns des Gottes eigne Kraft,
Wie könnt uns Göttliches entzücken?
Das „Vermächtnis“ Goethes möge auch der Technikerschaft von heute zum Leitwert werden.
Kein Wesen kann zu Nichts zerfallen! Das Ew’ge regt sich fort in allen,
Am Sein erhalte dich beglückt!
Das Sein ist ewig: denn Gesetze Bewahren die lebend’gen Schätze,
Aus welchen sich das All geschmückt.
Das Wahre war schon längst gefunden, Hat edle Geisterschaft verbunden,
Das alte Wahre fass’ es an!
Verdank’ es Erdensohn dem Weisen,
Der ihr die Sonne zu umkreisen Und dem Geschwister wies die Bahn.
Sofort nun wende dich nach innen,
Das Zentrum findest du da drinnen, Woran kein Edler zweifeln mag.
Wirst keine Regel da vermissen:
Denn das selbständige Gewissen Ist Sonne deinem Sittentag.
Den Sinnen hast du dann zu trauern, Kein Falsches lassen sie dich schauen, Wenn dein Verstand dich wach erhält. Mit frischem Blick bemerke freudig, Und wandle sicher wie geschmeidig Durch Auen reichbegabter Welt.