Aufsatz 
Alois Negrelli, sein Leben und sein Werk / von Viktor Schützenhofer
Entstehung
Seite
39
Einzelbild herunterladen

Alois Negrelli, sein Leben und sein Werk.

39

Straßenbauten aus. Auch einige Kirchen Vorarlbergs werden nach seinen Ent­würfen gebaut. Negrellis verbindliches Wesen, seine Kenntnisse und sein Fleiß lassen die Uferbewohner des Bodensees erkennen, daß die Maßnahmen der Regierung nur zu ihrem Besten sind, und erreichen, was bisher nie der Fall war, daß die Gemeinden bei den Schutzbauten der Regierung willigen Beistand leisten. Es mag hier von Interesse sein, das Urteil des damaligen Kreishaupt­mannes von Vorarlberg, Johann von Ebner, über seinen Kreisingenieursad'junk- ten zu hören. Es ist in einem am 9. Dezember 1828 von ihm erstatteten Bericht über den Fortgang der Rheinregulierungsarbeiten enthalten und lautet:Das Kreis­amt hält sich für verpflichtet, dem hoohlöblichen Landesgubernium bei dieser Veranlassung den kaiserlich königlichen Kreisingenieursadjunkten Negrelli angelegenst anzurühmen und zu empfehlen. Seiner angestrengten Tätigkeit, seiner unermüdlichen Geduld in Anhörung und Belehrung der Untertanen, seinem gefälligen und freundlichen Benehmen mit jedermann, endlich seinen gründlichen Kenntnissen im Wasserbau ist es vorzüglich zu verdanken, daß alles so ungemein gut gelang.

Inzwischen (1828) hat sich Negrelli mit der Tochter Amalie des Kärntner Kreisbeamten und Landstandes Alois von Pircker vermählt. Bald nach der Vermählung verarmt der Vater seiner Gattin und ist außerstande, dem jungen Paar, wie er dies anfänglich tat, auch weiterhin Zuschüsse zu geben. Dies trifft Negrelli um so schwerer, als er seinen kürzlich erblindeten Vater unterstützen muß. So entschließt er sich, die ihm im Herbst 1831 angebotene Stellung eines Straßen- und Wasserbauinspektors des Schweizer Kantons St. Gallen anzunehmen. Die Schweizer, die anläßlich gemeinsamer Arbeiten mit Vorarlberg Gelegenheit hatten, sich von seinen bemerkenswerten Kennt­nissen und seiner Tüchtigkeit zu überzeugen, bieten ihm das dreifache seines bisherigen Bezuges und damit eine auskömmliche Existenz an. Mit Zustim­mung des Kaisers wird Negrelli am 30. September 1832 aus dem österreichi­schen Staatsdienst entlassen und beginnt am nächsten Tage seine Tätigkeit in der Schweiz, die bis 1840 währen sollte. Seine wasserbaulichen Erfahrungen setzt er nun zum Nutzen St. Gallens ein, erweitert die Hafenanlage von Rohr­schach, entwirft ein neues Straßennetz für den Kanton und baut zahlreiche neue Straßen. Die von ihm entworfene Bogenbrücke über den Trogener Tobel findet weitestgehende Anerkennung und veranlaßt mehrere Kantone, ihn als Ratgeber heranzuziehen. Einem Ruf der Kaufmannschaft von Zürich Folge leistend, übernimmt er mit 1. Jänner 1836 unter überaus günstigen Bedingun­gen sein bisheriger Bezug wird ihm verdoppelt die Oberleitung der städtischen Bauten der Züricher Vereinigung, ln dieser Eigenschaft baut er unter vielen anderem die Hafenanlage der Stadt und die Münsterbrücke (Bild 1) über die Limat, mit deren Entwurf er schon früher beschäftigt war. Die sich wunderbar 'in das Stadtbild einfügende Brücke, deren Eröffnung besonders feierlich begangen wurde, steht heute noch.

In das Jahr 1836 fällt auch seine Ernennung zum Mitglied der Linthbau- kommission, die nur aus erfahrenen Fachleuten der Eidgenossenschaft gebildet wurde.