Aufsatz 
Alois Negrelli, sein Leben und sein Werk / von Viktor Schützenhofer
Entstehung
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Viktor Schützenhofer

Die Schweiz will den angrenzenden Ländern nicht nachstehen, auch sie will Bahnen bauen. So erhält er den Auftrag, Frankreich, England und Belgien zu besuchen, um sich die dortigen Erfahrungen auf dem Gebiete des Eisenbahn­baues anzueignen. Negrelli widmet sich mit größtem Eifer der neuen Auf­gabe, für die ihn grundsätzlich schon Franz Anton von Gerstner inter­essierte. Im besonderen befaßt er sich mit den Vorerhebungen für den Bau der von ihm späterSchweizer Nordbahn benannten Bahnlinie, die Zürich mit Basel verbinden soll, aber auch mit solchen für Bahnlinien von Zürich über Winterthur nach Romanshorn und von Zürich über Sargans nach Chur. Da ruft ihn die Heimat zurück. Die Kaiser-Ferdinands-Nordbahngesellschaft bietet ihm man schreibt das Jahr 1840 als Generalinspektor die Leitung des Aus-

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Bild 4. Münsterbrücke über die Lima! bei Zürich (1836).

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baues ihres Bahnnetzes an. Der ihm bewilligte Jahresgehalt beträgt 4000 Gul­den und 2000 Gulden Reisepauscbale.

Im Herbst 1840 beginnt er seine Tätigkeit im Eisenbahndienst seines Landes, in dem er sich durch seine Leistungen ein bleibendes Denkmal setzen soll. Die Schweiz hat ihn ungern ziehen lassen und verpflichtet sich ihn viel­fach als weiteren Ratgeber. Der Name Negrelli hat guten Klang in der ganzen Eidgenossenschaft erhalten, der kaum je ganz verklingen wird.

In die Zeit seines Aufenthaltes in der Schweiz fällt eine Begegnung mit dem berühmten Naturforscher Alexander von Humboldt, die in Genf 1838 stattfand. Über Weltprobleme sprechend, lenkt Humboldt die Aufmerksamkeit Negrellis auf den Jahrtausende alten Wunsch der Menschheit, das Rote Meer mit dem Mittelländischen Meer zu verbinden, ein Wunsch, dessen Erfüllung wert sein müßte, sich damit zu befassen. Von jenem Augenblicke an kann Negrelli sich auch von diesem Problem nicht mehr trennen, dessen Lösung ihn zum Weltleistungsträger machen soll.