Alois Negrelli, sein Leben und sein Werk.
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Als Generalinspektor der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn obliegt ihm die Leitung des Ausbaues des Liniennetzes der Gesellschaft, das er zum Zeitpunkt seines Dienstantrittes bis Brünn fertiggestellt findet. In den Jahren 1840, 1841 und 1842 werden unter seiner Leitung die Bahnstrecken Lundenburg— Napajedl, Napajedl—Prerau—Leipnik, Prerau—Olmütz, sowie Floridsdorf— Slockerau fertiggestellt und die Strecke Olmütz—Prag sowie Leipnik—Oderberg und Oderberg—Oswieczim projektiert und trassiert.
Die Wirtschaften ot jener Zeit und die damit verbundene Geldknappheit wirkte sich begreiflicherweise auch auf die bereits bestehenden Privatbahnen und damit auch auf die Erfüllung der von denselben konzessionsmäßig eingegangenen Bauverpflichtungen aus. Die zur Erzielung einer Besserung dieser Verhältnisse anerkannte Dringlichkeit der Schaffung vorteilhafter Handelswege durch Österreich veranlaßte Kaiser Ferdinand, mit Handschreiben vom 19. Dezember 1841, die Eisenbahnen Österreichs in Staats- und Privatbahneri zu teilen und den Bau der als staatsnotwendig angesehenen Staatseisenbahnen selbst durchführen zu lassen, sie aber nach Fertigstellung privaten Gesellschaften zur Betriebsführung zu übergeben. Mit der obersten Leitung der Staatseisenbahnen wurde der Hofkammerpräsident Freiherr von Kübeck, mit der Leitung der technisch-administrativen Generaldirektion der Staatseisenbahnen der Hofbaurat Hermenegild Francesconi betraut. Zur Leitung des Baues der Staatsbahnen wurde Negrelli berufen. Das von Freiherrn von Kübeck an die Kaiser-Ferdinands-Nordbahn deswegen gerichtete Schreiben zeigt die große Wertschätzung, die Negrelli bereits besaß. Dieses mit 16. März 1842 datierte Schreiben lautet: „Durch die allerhöchste Entschließung vom 19. Dezember vorigen Jahres, womit die Erbauung von Staatseisenbahnen angeordnet wurde, ist es notwendig geworden, sich der Beihülfe mehrerer ausgezeichneter, im Fache der Eisenbahnen bewanderter Techniker zu versichern, um diese wichtige Unternehmung auf eine der allerhöchsten Absicht angemessene und des österreichischen Staates würdige Weise auszuführen. Ich habe mein vorzügliches Augenmerk auf den Generalinspektor der k. k. privilegierten Kaiser Ferdinands Nordbahn Ludwig Negrelli gerichtet, der nicht nur rücksichtlidh seiner ausgebreiteten Kenntnisse des besten Bufes genießt, sondern auch durch die bereits abgelegten Proben den Beweis über den Besitz derselben lieferte.“ Im weiteren ersucht Kübeck die Nordbahngesellschaft, Negrelli zu beurlauben und ihn den Staatseisenbahnen zu überlassen. Am 1. April 1842 tritt Negrelli als beurlaubter Generalinspektor der Kaiser- Ferdinands-Nordbahn und provisorischer Inspektor der Staatseisenbahnen bei diesen den Dienst an, in welcher Stellung er bis zum Herbst 1847 verbleiben soll, um dann definitiv In den Dienst der Staatseisenbahnen übernommen zu werden.
Im Jahre 1843 nimmt Negrelli den Ausbau der Strecke Olmütz—Böhmiseh- Trübau—Prag in Angriff, die Mitte 1845 fertiggestellt ist. Die feierliche Eröffnung dieser Bahnlinie erfolgt am 20. August dieses Jahres. In Anerkennung seiner Verdienste um den Babnbau im Norden Österreichs verleiht der Kaiser ihm den Titel eines k. k. Bates und die Stadt Prag ernennt ihn zu ihrem Ehren-