Aufsatz 
Alois Negrelli, sein Leben und sein Werk / von Viktor Schützenhofer
Entstehung
Seite
42
Einzelbild herunterladen

42

Viktor Schützeniiofer

bürger. Von 1845 bis 1848 beschäftigt sich Negrelli mit dem Ausbau der Linien BrünnBöhmisoh-Trübau und PragBodembaoh, sowie mit Vor­bereitungsarbeiten für den Bau der galizischen Bahnlinien BochniaLemberg, Lemberg Brody und LembergCzernowitz und schließlich der Westbahn­strecke von AVien nach Salzburg. Für den technischen Anschluß der Prag Bodenbacher an die BodenbachDresdner Strecke und der Nordbahnstrecke an die preußische Wilhelmsbahn vertritt Negrelli Österreich in der zwischen­staatlichen Kommission.

Mit dem Wiederbeginn der Tätigkeit Negrellis in Österreich beginnt auch dieses, sich mit der Frage des Baues eines, das Mittelländische Meer mit dem Roten Meer verbindenden Kanals in der Landenge von Suez zu befassen. Im Jahre 1843 unterbreitet der österreichische Generalkonsul in Alexandrien, Laurin, dem Fürsten Metternich einen Vorschlag für den Bau dieses Kanals und gibt gleichzeitig die Geneigtheit des Vizekönigs Meiiemed Ali bekannt, der Durchführung dieses Bauvorhabens zuzustimmen. Die liiefür gestellten Bedingungen gipfeln 1m wesentlichen darin, daß der Kanal für alle Zeiten im Besitz der königlichen Familie verbleibe. Mit einer Note vom 25. April 1843 erklärt sich Metternich mit den Bedingungen Meiiemed Alis einverstanden und gibt Laurin den Auftrag, mit dem Vizekönig vertraulich weiter zu ver­handeln. Gleichzeitig richtet er ein Schreiben an den Hofkammerpräsidenten, Freiherrn von Küreck, in dem er den Kanal als Weltereignis erster Größe bezeichnet, der Österreich eine neue Zukunft eröffnen könne; Kübeck wird von ihm aufgefordert, dem Gegenstand seine ganze Aufmerksamkeit zu schenken.

In Frankreich ist es Barthelemy Enfantin, der für den Kanalbau eintritt. 1833 aus politischen Gründen gezwungen, Frankreich zu verlassen, begab er sich selbst über einige technische Kenntnisse verfügend mit einer Gruppe französischer Techniker nach Ägypten, wo ihm die Durchführung von Nil­regulierungsarbeiten anvertraut wurde. Bei dieser Gelegenheit versuchte er, den Vizekönig dieses Landes für die Vornahme des Baues eines schon oft ge­planten, das Mittelländische mit dem Roten Meer verbindenden Kanals zu ge­winnen. Er hatte damit damals keinen Erfolg, was ihn aber nicht abhielt, die Propagierung seiner Idee in Frankreich, wohin er 1835 zurückgekehrt war, .fortzusetzen. Da sich nun die Weltpresse mit dem Kanalbau zu befassen be­ginnt, verdoppelt er seine Bemühungen, und trachtet, Bank- und Handels­häuser, sowie Industrieunternehmungen der für die Weltwirtschaft maßgeben­den Länder für den Kanalbau zu interessieren. So wendet er sich auch an den Chef des Bankhauses Dufour in Leipzig, der, von der Idee eingenommen, nun seinerseits den sächsischen Generalkonsul Martin Escher in Zürich bittet, seinen Freund Negrelli für die Aufgabe zu interessieren, da er ihn für den einzigen in Deutschland (Deutscher Bund) halte, der deren Durchführung über­nehmen könne. Escher weiß, daß es da nicht vieler Anregungen brauche; er erinnert sich an die Begeisterung, mit der Negrelli ihm von Humboldts Hinweisen auf diesen Wünscht r aum der Menschheit erzählt habe. So tritt Negrelli mit Dufour in Verbindung und übernimmt es, in Österreich die Auf­merksamkeit der Öffentlichkeit auf das große Unternehmen zu lenken und das