Aufsatz 
Alois Negrelli, sein Leben und sein Werk / von Viktor Schützenhofer
Entstehung
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Alois Negrelli, sein Leben und sein Werk.

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Verständnis für die Bedeutung desselben auch bei den maßgebenden Persön­lichkeiten waclizuhalten. Inzwischen hat Linant Bey, der Chef der technischen Einrichtungen Ägyptens, einen grundsätzlichen Plan für den Bau des Kanals entworfen, der des damals angenommenen großen Niveauunterschiedes der zu verbindenden Meere wegen die Anordnung von Schleusenanlagen vorsah. Negrelli niihmt dies zum Anlaß, dem Hofkammerpräsidenten Freiherrn von Kübeck eine Denkschrift zu unterbreiten, in der er die Bedeutung des beab­sichtigten Unternehmens für Österreichs Handel hervorhebt und die Bildung einer mitteleuropäischen Gesellschaft zur Durchführung desselben anregt. Der Kreis ist geschlossen, damit aber auch der Vertreter Österreichs in der zu bildenden Gesellschaft bestimmt.

Am 30. November 1846 kommt es in Paris zur Gründung der Studiengesell­schaft für den Suezkanal, die aus einer deutschen, einer englischen und einer französischen Gruppe besteht. Diesen Gruppen stehen Alois Negrelli, Robert Stephenson und Paulin Talabot vor. Auf Grund des vorliegenden Materials wird der Bau des Kanals für grundsätzlich ausführbar erklärt und die eheste Durchführung weiterer, in ihren Einzelheiten auf die drei Gruppen aufgeteilten Vorarbeiten beschlossen. Nach Durchführung dieser Vorarbeiten sollen die Gruppenchefs das Kanalterrain bereisen. Die deutsche Gruppe ent­wickelt sofort die größte Tatkraft. Ihre Gründung ist die erstvollzogene. Für Österreich ist die Stadt Triest und die Handelskammer dieser Stadt, der öster­reichische Lloyd, der Niederösterreichische Gewerbeverein und die Handels­kammer Venedig der Gesellschaft beigetreten. Einer der wärmsten Förderer der Gesellschaft ist der Direktor des Österreichischen Lloyds und spätere Finanzminister Carl Ludwig Freiherr von Bruck.

Die Ingenieurbrigade der deutschen Gruppe reist bereits anfangs Mai 1847 unter der Führung des Ingenieurs Jassnüger nach Ägypten und kehrt Ende Juli mit reichen, die Erforschung der Schiffahrtsverhältnisse des Mittelländi­schen Meeres von Alexandrien bis Tineh und Aufnahmen und Höhenmessungen dieser Meeresuferstrecke betreffenden Ergebnissen wieder zurück. Negrelli läßt sich deren rascheste Verarbeitung angelegen sein, um sie seiner Re­gierung und den anderen Gruppenchefs vorzulegen. England läßt keine neuen Aufnahmen machen; es beruft sich auf die früheren Aufnahmen der ostindi­schen Kompanie, die es als seine Aufnahmen für die weiteren Arbeiten der Studienkommission einbringt. Die französische Gruppe, deren Leiter der Sohn Barthelemy Enfantins ist, nimmt die ihr aufgetragenen Arbeiten in der Zeit zwischen September 1847 und Jänner 1848 vor, als deren wichtigstes Ergebnis ein nur geringfügiger Niveauunterschied beider Meere hervorzuheben ist, der Negrelli zur Anwendung der schleusenlosen Bauweise für den Kanal veran- laßte. Gegen die Reise der drei Gruppenchefs würde nun kein Hindernis be­stehen. 'Sie kommt aber vorläufig doch nicht zustande, da Talabot und Stephenson erklären, zur Zeit nicht abkömmlich zu sein und Negrelli nicht allein reisen will. Zudem haben sich die politischen Verhältnisse verschlechtert: In Österreich und Frankreich ist die Revolution ausgebrochen. Beide Länder sind dadurch außenpolitisch behindert.

Technikgeschichte, 11. Heft.

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