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Viktor Schützenhofer
Mit dem Übertritt zur Kaiser-Ferdinands-Nordbahn, mit dem er eich endgültig dem Eisembahnbau als Hauptberuf zuwendet, nahm Negrelli (Bild 5) auch zu den Grundfragen desselben Stellung. Eine aus dem Jahre 1842 stammende Denkschrift ist betitelt: „Die Eisenbahnen mit Anwendung der gewöhnlichen Dampfwägen — gemeint sind Lokomotiven — als bewegende Kraft über Anhöhen und Wasserscheiden sind ausführbar.“ Sie behandelt eine der aktuellsten Fragen der Zeit, die beim Bau der Semmeringbahn zu heißen Kontroversen führen soll, in ausgezeichneter Weise. Die von vielen Seiten vorgeschlagene Verwendung der verschiedensten Hilfsmittel, wie standfeste
Dampfmaschinen, Ketten, künstliche Pferdefüße und dergleichen, werden darin entschieden izurückgewiesen. Im gleichen Jahre gab er durch den Kommissionsverlag der Friedrich BECKschen Universitätsbuchhandlung in Wien eine Studie über Gebirgsbahnen heraus. In einer auch dem Kaiser unterbreiteten Denkschrift nimmt Negrelli zur Frage „Pachtbetrieb oder Regiebetrieb“ Stellung und tritt unter Hinweis auf die den Eisenbahnen zukommenden, das Staatswohl betreffenden Aufgaben für den Staatsbetrieb ein. Er konnte damals nicht wissen, daß er später, als die Finanznot des Staates den Verkauf der Staatseisenbahnen notwendig erscheinen ließ, eine bloße Verpachtung derselben begrüßt hätte.
Sein Ruf als Eisenbahnbauer ist immer weiter gedrungen. Bereits 1842 hat ihn die Württembergische Regierung gebeten, einen Entwurf für das zu errichtende Bahnnetz ihres Landes zu begutachten. Auch Sachsen bittet um Ratschläge für Bahnbauten. Nun kommt die Schweiz, die zwischen- ‘ durch wiederholt seinen Rat in Anspruch genommen hat, mit einer, ihm allerdings nicht neuen, großen Aufgabe. Im November 1845 übernimmt Negrelli mit Zustimmung der österreichischen Regierung, die der Schweiz entgegenkommen will, zusätzlich zu seinen ohnehin so (zahlreichen Verpflichtungen, die oberste Leitung des Baues der Schweizer Nordbahn, deren erste Teilstrecke „Zürich— Baden“ am 7. August 1847 eröffnet wird.
Am 8. Dezember des Jahres 1840 hatte Negrelli seine erste Gattin durch Tod verloren. Am 18. Juni 1847 verehelichte er sich wieder. Seine zweite Gattin ist die Tochter Karoline des Staats- und Konferenzrates Johann Baptist von Weiss-Starkenfels.
Mit Dekret vom 24. Mai 1848 wird Negrelli in das neu gebildete Arbeitsministerium zur provisorischen Dienstleistung einberufen und mit der Leitung der Sektion für die Staatseisenbahnen betraut. Zwei Maßnahmen Negrellis,
Bild 5. Alois Negrelli in mittleren Jaliren. Generalinspektor der Kaiser- Ferdinands-Nordbahn.
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