Alois Negrelli, sein Leben und sein Werk.
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die in die kurze Zeit seiner Sektionsleiterschaft im Arbeit.sminister.ium fallen, verdienen besonders hervorgehoben zu werden: „Die endgültige Baubewilligung für die Semmeringbahn nach dem GiiEGASchen Bauentwurf“ und „der Beitritt der österreichischen Staatseisenbahnen zum Verein Deutscher Eisenbahnverwaltungen“. Die Entscheidung über den Baubewilligungsantrag der Generaldirektion der Staatseisenbahnen hatte Negrelli für seinen Minister vorzubereiten, dem er damit auch für ihre Richtigkeit voll verantwortlich war. Trotz der schärfsten Stellungnahme in- und ausländischer Fachleute gegen das GHEGAsohe Projekt hat Negrelli nach Bereisung des Projektsgebietes, gestützt auf seine reichen Erfahrungen im Eisenbahnbau, die Baubewilligung hiefür — wenn auch, mit schließlich doch nicht berücksichtigten geringfügigeren Abänderungen — mit 27. Juni 1848 durchzusetzen gewußt und damit nicht nur Ghega zur Verwirklichung seiner großen Idee verholfen, sondern auch seinem Vaterland einen großen Dienst erwiesen. Über den Beitritt der österreichischen Staatseiisenbahnen zum Verein Deutscher Eisenbahnverwaltungen ist nur zu sagen, daß der Verein seinen großen Wert, ja seine Notwendigkeit im Laufe eines Jahrhunderts — die Vereinsgründung fällt in das Jahr 1847 — erwiesen hat.
Der in den italienischen Provinzen ausgebrodhene Aufstand setzte der Tätigkeit Negrellis im Arbeitsministerium ein rasches Ende. Die Regierung fand seine Entsendung als Staatskommissar für die 'Wiederherstellung der zerstörten Eisenbahnen für erforderlich und teilte ihn als solchen dem dortigen Armeeoberkommando, das in den Händen des Grafen Radetzky lag, zu. Am 28. August 1848 verläßt Negrelli Wien und entledigt sich seines Auftrages in so glänzender Weise, daß Radetzky an ihn folgendes vom 20. Mai 1849 datiertes Dankschreiben richtet: „Ich halte es für meine Pflicht Euer Hochwohlgeboren meinen verbindlichsten Dank im Namen der Heeresleitung für die so zweckentsprechende Errichtung der Eisenbahn Verona—Vicenza sowie die Herstellung derselben nach Venedig bei den so äußerst beschränkten Mitteln aller Art und den so hindernden Verhältnissen des Landes und der Witterung auszusprechen, ohne welche weder die Belagerung von Venedig noch deren Durchführung in der Bedrängnis der unglücklichen Cholera hätte Zustandekommen können. Nehmen Sie daher nochmals meinen Dank als Anerkennung Ihres Verdienstes um den Staat sowie meiner ewigen Verpflichtung für die hierländische Armee auf.“
Mit kaiserlicher Entschließung vom 15. Dezember 1849 wird Negrelli der Orden der Eisernen Krone III. Kl. verliehen, der ihm Anspruch auf Nobili- tierung gibt. In dem am 21. September 1850 daraufhin erstatteten Gesuch um Verleihung des Ritterstandes stellt er die Bitte, das Prädikat „Moldelbe“ annehmen zu dürfen, wenngleich sich die Auszeichnung auf seine Leistungen bei den Lombardo-Venetianischen Eisenbahnen beziehe. Die Wahl des Prädikates — und das ist besonders bemerkenswert — begründet er damit, „daß er in den von der Moldau und der Elbe durchzogenen Tälern von Prag abwärts, durch die Oberleitung des Baues der großen Moldaueisenbahnbrücke zu Prag und des ganzen Eisenbahnzuges von Olmütz und von Brünn über Prag zur sächsischen Grenze sich schmeichelt, für den Staat ersprießliche Arbeit geleistet zu haben,
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