Franz Freiherr von Wertheim.
Ein Lebensbild aus der Gründerzeit.
Von
Dipl.-lng. Erich Kurzel-Runtscheiner.
Mit 8 Abbildungen. ^
Spricht man der Generation von heute von den „Gründerjahren“, von der „Gründerzeit“, dann entsteht vor dieser stets das Bild der Auswüchse der Wirtschaft jener Jahre, die dem Kriege zwischen Deutschland und Frankreich 1870/71 folgten. Damals hat sich eine wilde Meute von sogenannten Wirtschaftsführern, bar jedes Gefühls für Verantwortung, an die Spitze einer die weitesten Kreise erfassenden ungesunden Spekulation gestellt und viele unsolide, ja betrügerische Wirtschaftsunternehmungen ins Leben gerufen. Diese Zeit endete, wie sie enden mußte, mit dem furchtbaren „Krach“ des Sommers 1873. Nicht diese Jahre sind gemeint, wenn Franz Wertheim ein Mann der Gründerzeit genannt wird. Denn diese umfaßte — im weiteren Sinn gesehen — nicht nur die brodelnden Nachkriegsjahre von damals, sondern auch die beiden Jahrzehnte vor dem Krieg 1870/71. In die Zeit vor diesem fällt das Tagwerk der kühnen Pioniere jener wirtschaftlichen Gestaltung, die bis zum ersten Weltkrieg in stets aufsteigender Entwicklung begriffen war, die Zeit der Männer, die den Typus der wirtschaftlichen Unternehmungen schufen, die weiter ausgestaltet zu kühner und kühner organisierten, mehr und mehr auf Sonderzwecke sich einstellenden Gebilden, zum Unterbau der mitteleuropäischen Wirtschaft geworden sind, die wir zwischen den beiden Weltkriegen in den Jahren 1918 bis 1939 miterleben konnten.
Zu den Pionieren aus jener Zeit vor 1873, einer Zeit des Sturmes und Dranges, der es aber durchaus nicht an Größe fehlte, gehörte auch Franz Wertheim, der als Sohn eines wenig begüterten Kaufmanns am 12. April 1814 in Krems an der Donau geboren wurde. Er wuchs unter den beinahe ärmlich zu nennenden Verhältnissen seines Kremser Elternhauses auf und konnte nicht mehr als jene wenig gründliche und wenig wissenschaftliche kaufmännische Ausbildung erhalten, die im damaligen Österreich üblich und erreichbar war. Technischer Fachunterricht wurde Wertheim nicht zuteil. Trotzdem erwarb er sich bald durch Selbststudium ein für seine Zeit bemerkenswertes technisches