Aufsatz 
Franz Freiherr von Wertheim : ein Lebensbild aus der Gründerzeit / von Erich Kurzel-Runtscheiner
Entstehung
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Franz Freiherr von Wertheim.

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Neuiberg bei Scheibbs stand, leisteten schon vor der Übernahme durch den neuen Herrn Vorzügliches. Unter Wertheims zielbewußter Leitung wurde die Qualität der dort und in seinem Kremser Betrieb erzeugten Werkzeuge so ge­steigert, daß man auf diese nicht nur im Inland, sondern bald auch im Ausland aufmerksam wurde.

Schon im Jahr 1845 konnte Wertheim anläßlich der Gewerbe- und Pro- dukten-Ausstellung in Wien mit einer nahezu tausend verschiedene Stücke zählenden Mustersammlung von in seinen Betrieben angefertigten Werkzeugen vor die Öffentlichkeit treten. Diese von der Ausstellungsjury mit einem' ersten Preis bedachte Sammlung wurde dem Technologischen Cabinet des Polytechni­schen Instituts in Wien einverleibt. Sie war die erste in einer Reihe von Lehr­mittelsammlungen, die Wertheim in weiterer Folge für beinahe alle techno­logischen Museen Europas hersteilen konnte. Die Tatsache aber, daß sich unter den belieferten Instituten auch das Conservatoire des Arts es Metiers in Paris (1855) und das South Kensington Museum in London (1867) befanden, wird beson­ders bedeutsam, durch den Umstand, daß noch wenige Jahre vorher Österreichs Werkzeugerzeugung jener Frankreichs und jener Englands durchaus nichts Ebenbürtiges hatte entgegenstellen können.

Im Jahr 1847 trat Wertheim als Gesellschafter in das Unternehmen seines Schwiegervaters Wilhelm Knepper ein. Dieser war 1819 als Papierhändler aus Dresden nach Wien gekommen und hatte hier im Jahr 1825 die Papier­erzeugung aufgenommen. Knepper hatte seine Werkstatt schon 1844 bedeutend erweitern können und tat dies nun, als Wertheim 1847 eben sein Schwieger­sohn geworden war, neuerdings, indem er nun auch die Erzeugung von Bunt­papier aufnahm. Auf Anregung Wertheims wurden im KNEPPERschen Unter­nehmen seit dem Jahr 1853 auch Gelatinepapiere erzeugt, die insbesondere vom Ausland in großen Mengen gekauft wurden. Auch an der im Jahr 1856 er­folgten Aufnahme der Massenerzeugung von Zigarettenpapier war Wertheim in hervorragendem Maß beteiligt. Ihm und seinem Schwiegervater gelang es bald, diesem Erzeugnis ein weites Absatzgebiet zu erobern, in das dank dem Organisationstalent Wertheims bald auch der nahe Orient einbezogen werden konnte. Die Trennung der kinderlos gebliebenen Ehe, die Wertheim mit der Tochter Kneppers geschlossen hatte, beendete bedauerlicherweise bald darauf die Zusammenarbeit dieser beiden Männer, die sich auf industriellem Gebiet so erfolgreich erwiesen hatte.

Im Jahr 1848 hatte Wertheim anläßlich eines Einbruches eine böse Er­fahrung machen müssen. Die eiserne Truhe der damals allgemein verwendeten Art, die er in seinem Büro benutzte, hatte dem Angriff der Schränker nicht widerstehen können. Diese erbeuteten 6000 fl. Wertheim aber, dem stets auch aus dem Unangenehmen, das ihm widerfuhr wertvolle Entschlüsse reiften, faßte auf Grund dieser Erfahrung den Gedanken, selbst Kassen aus Eisen zu erzeugen, die nicht nur einbruchssicher, sondern auch feuersicher sein sollten. Eine feste Grundlage für die Verwirklichung dieses Planes ge­wann Wertheim dadurch, daß er 1851, anläßlich des Besuchs der ersten in London abgehaltenen Weltausstellung die Patentrechte auf eine dort von der