Aufsatz 
Franz Freiherr von Wertheim : ein Lebensbild aus der Gründerzeit / von Erich Kurzel-Runtscheiner
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Erich Kürzel-Runtscheiner: Franz Freiherr von Wertheim.

Genesung suchte, erlebte es noch, daß damit die von ihm vertretene Forderung I

Österreichs zum international anerkannten Rechtsgrundsatz wurde. Es war |

dies die letzte Genugtuung, die das Schicksal ihm vor dem Ende bereitete. Als er dieses herannahen fühlte, verlangte er heimgebracht zu werden: Er wollte in der Stadt sterben, die die Stätte seiner Erfolge geworden war, die ihn in seinem Glanz gesehen hatte.

Wertheims Leichenzug war, trotz all dem offiziellen Prunk, mit dem er i

vor sich ging, doch der eines Einsamen. Man fühlt sich an denarmen Kanit- j

verstan der Fabel erinnert, wenn man das ruhelose Getriebensein, das nie- :

mals des Erfolges Sichere dieses an äußeren Erfolgen so reichen und doch |

irgendwie problematischen Lebens zu durchschauen versucht. Es war ein |

Leben, das eine bedeutende Industrie aufgebaut hat, der nun am Ende im ein­zigen Leibeserben, dessen Anerkennung auch nur als Träger des Namens bloß auf Umwegen durchzusetzen gewesen war, kein Führer zum weiteren Auf­stieg vorgesetzt werden konnte. Und doch war Wertheims Wirken, so unver­mittelt es mit seinem Tod abzureißen schien, mit diesem nicht zu Ende. Die Auswirkungen des von ihm geübten Stils der Wirtschaftsführung lassen sich bis in die Tage der um planvolle Organisation bemühten Zeit vor dem zweiten Welt­krieg verfolgen: Wertheims Art, eine Industrie aufzubauem und deren Geschicke zu lenken, war wie ein Stück zur Gluthitze gebrachten edlen steirischem Stahls Brockel nennen es nach der Väter Sprachgebrauch die Schmiede. Dieses vermag zwar in der Dunkelheit voranzuleudhten, ist aber erst Halbzeug und noch kein handliches Arbeitsgerät; zum vollendeten Werkzeug wird es erst, wenn es die ihm bestimmte Reihe von Fertigungs Vorgängern durchlaufen hat. Und dazu bedarf es, wie zu jedem organischen Heranreifen, des naturgewollten Ablaufs der durch die Weltengesetze vorbestimmten Zeit. Wertheims eigenes Unter­nehmen aber blühte weiter; das von dem Gründer der Firma erbaute Fabrik­gebäude wurde geradezu <zum Wahrzeichen des oberen Gemeindebezirkes Wieden. >

Später wurde ein großartiges neues Werksgebäude in der Wienerbergstraße (im zehnten Bezirk) errichtet. Im alten Bau arbeiteten Nebenbetriebe der Firma weiter. Der interessante Wiedener Fabrikbau ist während der Kämpfe in Wien im Jahre 1945 in Flammen aufgegangen. Heute ist das Gelände völlig ab­geräumt und eingeebnet; es soll in Bälde als Bauplatz für andere Zwecke dienen.

Quellennachweis. ;

Dr. Josef Arenstein,Österreichischer Bericht über die Internationale Ausstellung

in London 1862 (S. 627, I. Abschnitt). £

Franz R. v. Wertheim,Werkzeugkunde für Holzarbeiter. Wien 1869. i

Wilhelm Exner,Beiträge zur Geschichte der Gewerbe und Erfindungen Österreichs.

Wien 1873. (Bd. I, S. 406 und 492/93).

Presse 1869, Nr. 75,Wertheims 20000. Kasse.

Baron Franz Wertheim, AbendblattNeue Freie Presse vom 3. April 1883.

Wochenschrift des n.-ö. Gewerbevereines, Jahrg. 1883 (S. 119 und 125).

Abendpost derWiener Zeitung vom 3. April 1883.

Karikaturen und witzige Artikel. Der Kikeriki, 18. März 1869, Nr. 11,Wie man Haus­herr auf der Ringstraße wird, und 1873, Nr. 2,Wie Diebe und Brandstifter von Baron Wertheim reden.

Wiener Punch 1871, Nr. 29,Zur Weltausstellung 1873.