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Heinrich Benedikt
gnügen, armseligen, malariaverseuchten Küstenplätzen an der toskanischen Küste, die zur Krone Neapels gehörten und nun schließlich mit Toskana vereinigt werden konnten. Karl III. verzichtete auf seine wenig begründeten Ansprüche auf das mediceische Allod und die Kaiserin ließ ihre Ansprüche auf das farnesische fallen. In der Niederschrift des Vertrages, dessen Präliminarien am 3. Dezember 1759 von Tanucci und Neipperg abgeschlossen wurden, wurde der Hauptpunkt der Verhandlungen, wie dies bei Staats- und Friedensverträgen häufig der Fall ist, gar nicht erwähnt. Es war dies die Ehestiftung zwischen den Kindern der beiden Monarchen. Die Nachfolge seines Sohnes Ferdinand in den beiden Sizilien war für Karl III. auch ohne ausdrückliche Zustimmung der Kaiserin gesichert, das große Ziel, das er mit den Verhandlungen verfolgte, war
die Verlobung seiner ältesten Tochter mit dem Kronprinzen und künftigen Kaiser Joseph. Nach langen Verhandlungen versprach Maria Theresia die Hand Josephs für die neapolitanische Infantin. Da erschien Coante de Staln- ville, der bald darauf zum Duc de Choiseul erhoben wurde, in Wien und trug der Kaiserin als heißen Wunsch Ludwigs XV. die Hand der Enkelin des Königs von Frankreich, der Prinzessin Isabella von Parma, für Joseph II. an. Das war eine bessere Partie, und Kaunitz fand den Ausweg, um die Verlobung mit der sizilianisohen Infantin zu lösen und um die Prinzessin von Parma zu freien: die Liebe. Neipperg mußte dem Königspaar in Neapel mitteilen: Joseph ist „von der Infantin Isabella Leibes- und Gemüts-Eigenschaften unter der Hand benachrichtigt worden und hat auf diese Prinzessin eine solche vorzügliche Neigung geworfen, welche ihn vermöget, unseres herzinniglich geliebtesten Gemahls des Kaisers Majestät und Liöbden und Uns mit geziemender kindlicher Ehrerbietung zu erkennen zu geben, daß er, ohne seiner 'Gesinnung Gewalt amzutun, sich mit keiner andern Prinzessin in Eheverlöbnis einlassen könne“. Zwar durfte Neipperg die bittere Pille verzuckern und auf die Möglichkeit einer Secundogenitur in Toskana für den zweiten Erzherzog und künftigen Gatten einer Infantin hinweisen, aber trotzdem war die Aufgabe, die anderweitige Verlobung Josephs dem Hofe mitzuteilen, unangenehm genug.
Die Verhandlungen mit Neapel, insbesondere das Ehegeschäft, waren von so geheimer Natur, daß der Botschafter seine umfassenden Berichte und Noten, wenn nicht sellbst, durch den einzigen Botschaftssekretär schreiben und abschreiben lassen mußte, eine mühsame, zeitraubende Arbeit, und diese Not war es, die ihn erfinderisch machte. „Wie die Geheimnisse in den Händen der Abschreiber sehr
Büd 1. Die Neippergsche Schreibmaschine