Aufsatz 
Die Schreibmaschine des Grafen Neipperg / von Heinrich Benedikt
Entstehung
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Die Schreibmaschine des Grafen Neipperg.

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oft in Gefahr zu gerathen pflegen, sann er über eine neueMaschine, durch welchedie wichtige Regel der Staatsklugheit, welche will, daß man die Cabinets- geheimnisse nur so wenigen Köpfen als möglich anvertrauen solle, in ihrer größten Vollkommenheit erhalten werden kann. Das Modell wurde im Jahre 1762 vollendet und einige gleichartigeSchreibmaschinen (Bild 1) angefertigt und abgegeben. Die Abnehmer erhielten eine Gebrauchsanweisung in einem schön gedruckten Quartbändchen von 91 Seiten Text in deutscher und französischer Sprache, 2 Blättern Errata und 6 Kupfertafeln. Damals liebten die Leser lange Titel, die an sich schon den Inhalt des Buchs wiedergeben sollten und so zuweilen dessen Lektüre ersparten; diesem Wunsch kam die Ankündigung der Neipperg- schen Vorrichtung nach:

Beschreibung der von dem Grafen Leopold von Neipperg dermalig wirk­lichen Oammerherrn beyder Kaiserl. Königl. Apostol. Majestäten, und Allerhöchst

Bild 2. Doppel- und dreifache Federhalter.

Ihro wirklichem Reichshofrathe, während seiner Gesandtschaft am Königl. Sici- lianischen Hofe, seit dem Jahr 1762 erfundenen neuen Maschine, benannt: Jeder­manns geheimer Copist, mittelst welcher man ohne Abschreiben sein eigener Copist wird, oder wodurch man mit weniger Mühe seine Briefe und Aufsätze auf einmal doppelt, und nach Belieben drey- und mehrfach, als so viele Urschriften mit bester Verwahrung des Geheimnisses, und großem Zeitgewinne auf einmal zu Papier bringen kann. Nebst der Anweisung zum gemächlichen Gebrauche der­selben. Wien, gedruckt bey Johann Thomas Edlen von Trattnern, kaiserl. königl. Hofbuchdruckern und Buchhändlern, 1764.

Das Schreiben mit zwei oder drei an einem Stiel hintereinander befestigten Federn hätte, wäre es noch unbekannt gewesen, wohl auch in einer mariatheresia- nischen Taferlklasse erfunden werden können. Mit ähnlich gestalteten Doppel­federn wurde noch vor wenigen Jahrzehnten in den österreichischen Lottokollek- turen geschrieben, da dies ein sicheres Mittel gegen Fälschungen bot; mußte doch der dem Spieler eingehändigte Schein in der Schrift mit dem der Kollektur ver­bleibenden genau übereinstimmen. Das Problem lag darin, eine Vorrichtung zu