Zur Geschichte der Metallwerk Plansee G.m.b.H.
in Reutte, Tirol.
Von
Dr. phil. nat. R. Kieffer und Dipl. Ing. F. Benesovsky.
Mit 6 Abbildungen.
Die Entstehungsgeschichte des Metallwerkes Plansee zu beschreiben, bedeutet eigentlich nichts anderes, als einen Ausschnitt aus der Geschichte der Pulvermetallurgie schlechtweg zu geben. Die Entwicklung dieses bedeutendsten metallurgischen Betriebes Tirols ist eng mit dem Aufstieg der Pulvermetallurgie verknüpft und die Sintertechnik wurde durch wichtige Enwick- lungs- und Forschungsarbeiten dieses Werkes entscheidend befruchtet.
Was ist nun zunächst die Pulvermetallurgie, jener noch sehr junge Zweig der allgemeinen Metallurgie, mit welchem sich das Metallwerk Plansee seit seiner Gründung befaßt? Bekanntlich werden die meisten Metalle und ihre Legierungen auf dem Schmelzwege hergestellt. Die Pulvermetallurgie umgeht den ßchmelzvorgang und erzeugt ihre Produkte in Anlehnung an keramische Verfahren durch Verpressen von Metallpulvern zu Formkörpern, welche durch eine Wärmebehandlung unterhalb des Schmelzpunktes *— Sintern genannt — verfestigt werden.
Es ergibt sich hierbei die Frage, warum die Pulvermetallurgie heute eine so bedeutende Stellung in der Metallindustrie einnimmt. Es sind dafür im ■wesentlichen folgende Gründe maßgebend:
1. Einige Metalle, wie z. B. Wolfram, Molybdän, Tantal und Niob, haben so hohe Schmelzpunkte, daß man sie, mangels geeigneter Tiegelmaterialien, nicht auf dem Schmelzwege in technischem Umfange herstellen kann. Das Sinterverfahren bietet hier die einzige Möglichkeit, diese Metalle in duktiler Form zu gewinnen.
2. Bei der pulvermetallurgischen Herstellungsweise kommt der Werkstoff mit keinen verunreinigenden Tiegelmaterialien und Schlacken in Berührung; man kann daher auf diesem Wege reinste Metalle, wie z. B. Reinsteißen, Reinstnickel und reinste Legierungen für die Hochvakuumtechnik erzeugen.