Aufsatz 
Zur Geschichte der Metallwerke Plansee G.m.b.H. in Reutte, Tirol / von R. Kieffer und F. Benesovsky
Entstehung
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R. Kieffer und F. Benesovsky

Der ansteigende Bedarf der Glühlampen- und Röntgenröhrenindustrie an Wolfram und insbesondere der sich nach dem ersten Weltkrieg stürmisch entwickelnden Radioröhrenindustrie an Molybdän, veranlaßten Dr. Paul Schwarzkopf, einen aus Prag gebürtigen Österreicher, dazu, im Jahre 1921 in Reutte/Tirol die Metall werk Plansee G. m. b. H. zu gründen. Vorher hatte er schon als Gründer und Mitinhaber der Deutschen Glühfadenfabrik, Richard Kurtz und Dr. Ing. P. Schwarzkopf G. m. b. H., Berlin, Erfahrungen auf dem Gebiete der hochschmelzenden Metalle gesammelt. Der landschaftlich wundervoll, verkehrstechnisch aber nicht sehr günstig gelegene Ort an der

Grenze zwischen Tirol und Bayern hatte den Vorteil, daß die für die Erzeugung der hoch­schmelzenden Metalle erforderlichen großen Mengen an elektrischer Energie von' dem in der Nähe gelegenen, der Marktgemeinde Reutte ge­hörenden Wasserkraftwerk, welches vom Plansee gespeist wird, zu günstigen Bedingun­gen geliefert werden konnten. Aus kleinen An­fängen das Werk beschäftigte anfangs zu­nächst etwa 50 Personen konnten der Grün­der und seine Mitarbeiter durch tatkräftige und zielbewußte Entwicklungsarbeit ein Werk schaffen, welches heute zu den bekanntesten pulvermetallurgischen Betrieben der Welt gehört.

Zu den Erzeugnissen des Werkes nach der Gründung gehörte vornehmlich Molybdän­draht und -blech für die Glühlampen- und Riadioröhrenindustrie, sowie Fonmstücke aus Reinwolfram für die Röntgentechnik. Molyb­dän (Schmelzpunkt etwa 2600°) und Wolfram ('Schmelzpunkt etwa 3400°) können, wie ein­gangs angeführt, wegen der hohen Schmelztemperaturen nach den technisch üblichen Schmelzverfahren nicht hergestellt werden. Das heute angewandte Sinterverfahren wurde, fußend auf den alten Versuchen von W. H. Wollaston, den Arbeiten von Auer v. Welsbach, F. Skaupy u. a., um 1908 von dem Ameri­kaner C. Coolidge zur technischen Reife entwickelt. Aus feinstem Wolfram- bzw. Molybdänpulver werden danach zunächst Stäbe gepreßt, welche man im direkten Stromdurchgang bis nahe an den Schmelzpunkt erhitzt. Die Sinter­stäbe werden dann in Rundhämmermaschinen bei hoher Temperatur herunter­geschmiedet, wobei das Material so dicht und duktil wird, daß es zu feinsten Drähten gezogen werden kann.

Bis zum ersten Weltkrieg wurde bereits in allen wichtigen Industrieländern Wolfram- und Molybdändraht für die Glühlampenindustrie erzeugt. Der Be­darf stieg dann, durch die nach dem Krieg einsetzende großartige Entwicklung der Elektronenröhrentechnik und Radioindustrie so bedeutend an, daß das neu

BUd 2. Hydraulische Presse zum Verdichten von Metallpulvern.

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