86
R. Kieffer und F. Benesovsky
Großteil mit Molybdänheizleitern ausgerüstet. Wegen des hohen Schmelzpunktes kann man diese sehr hoch 'belasten, wobei der spezifische Widerstand des Molybdäns im höheren Temperaturbereich etwa dem der üblichen Heizleiterwerkstoffe entspricht. Allerdings ist Molybdän wegen seiner Oxydationsempfindlichkeit über 500° nur unter Schutzgasatmosphäre anwendbar. In Keramikrohre luftdicht eingeschlossene Wendel und Stäbe aus Molybdän finden in Form von sogenannten Stratitstäben in Hochtemperaturöfen ohne Schutzgas Anwendung.
Die Berührung mit der Hochvakuumtechnik und der einschlägigen Industrie veranlaßten das Planseewerk in den Jahren 1930 bis 1935 weitere Werkstoffe für diese Zwecke auf dem Sinterwege zu erzeugen. Die Pulvermetallurgie bietet dabei den Vorteil, daß man reinste Metalle und Metallegierungen bei Einsatz reinster Pulver herstellen kann, weil eine Verunreinigung durch Tiegelmaterial, Desoxydationsmittel, Schlacken und Gase beim Sinterverfahren nicht zu befürchten ist. Durch die Forschungen der IGF-Wissenschaftler, insbesondere L. Schlecht, W. Schubardt und F. Duftschmid, war es 1931 gelungen, durch Zersetzung von Eisencarbonyl zu reinstem, sehr feinem Carbonyleisenpulver zu gelangen. Dieses Pulver, für welches anfangs ein kaum nennenswerter Bedarf vorlag, eignet sich aber hervorragend für die Herstellung von Reinstlegierungen auf dem Sinterwege. Reinstes aus diesem Pulver hergestelltes Eisen, vom Metallwerk Plansee unter der Bezeichnung „Ommet- eisen“ in den Handel gebracht, dient als Elektrodenmaterial in Hochvakuumröhren. Weitere Legierungen, die unter Verwendung von Carbony leisen- bzw. Carbonylniokelpulver gesintert werden, sind die ebenfalls vom Metallwerk Plansee erzeugten Si var-Emischmelzlegierungen auf Eisen-Nickel-Kobalt- Basis und die Hastelloy-Legierungen auf Basis Nickel-Molybdän und Eisen- Nickel-Molybdän. Letztere werden vornehmlich in Form von Draht als Werkstoff für Gitter in Elektronenröhren und als Heizleiterwerkstoff verwendet. Größte technische Bedeutung hat das Carbonyleisenpulver aber dann später für die Erzeugung von weich- und dauermagnetischen Werkstoffen gefunden
Die Verwendung von Wolframplättchen an Stelle von Platin als Kontaktmaterial in Zündmaschinen für Verbrennungsmotoren legte den Gedanken nahe, daß Wolfram bzw. Molybdän mit seinem hohen Schmelzpunkt, seiner hohen Härte, der geringen Schweißneigung und dem geringen Abbrand auch für andere Schaltvorgänge als Kontaktwerkstoff zu benützen. Dem stand lediglich die geringe elektrische Leitfähigkeit im Wege. Vereinigt man Wolfram bzw. Molybdän mit anderen gut leitenden Metallen, wie Kupfer oder Silber — was schon 1916 in einem technisch ungenützten Patent vorgeschlagen wurde — so gelangt man zu Verbundwerkstoffen, welche als Kontaktmaterial für Hoch- und Niederspannungsschaltgeräte hervorragend geeignet sind. Diese Werkstoffe, die man wegen der Unlegierbarkeit der Einzelkomponente auf dem Schmelzwege nicht herstellen kann, wurden ab 1932 vom Planseewerk unter der Bezeichnung „Elmet-Rotung“ (W-Cu) und „Elmet- Silvung“ (W-Ag) erstmalig in den Handel geibracht. Die technische Erzeugung dieser Kontaktwerkstoffe erfolgt entweder durch Zusammensintern der