Zur Geschichte der Metallwerk Plansee Gr. m.b. H. in Reutte, Tirol.
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Pulvermischungen oder durch Tränken von porösen Wolframskelettkörpern mit flüssigem Kupfer oder Silber.
Die Tatsache, daß die Entwicklung der gesinterten Hartlegierungen auf Wolframkarbid- und Wolframkarbid-Titankarbid-Basis im wesentlichen von der Molybdän- und Wolframindustrie geleistet wurde, ist mit deren Kenntnis der pulvermetallurgischen Arbeitsweisen und dem „know how“ auf dem Sintergebiete zu erklären. Fußend auf den Arbeiten von W. Lohmann, G. Fuchs, A. Kopietz und H. Baumhauer gelang 1922 K. Schröter und F, Skaupy die Sinterung von pulverförmigem Wolframkarbid mit Kobalt als Bindemetall und damit die Herstellung des ersten großtechnisch verwendbaren Sinterhart-
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Bild 4. Fertigform teile aus Sintereisen und Sinterstahl.
metalles. Die Einführung dieses ganz neuartigen Werkstoffes hat in der Folge die Technik der spanabhebenden Bearbeitung revolutionierend beeinflußt. Die Sinterhartmetalle auf Wolframkarbid-Kobalt-Basis waren besonders für die Bearbeitung kurzspanender Werkstoffe, z. B. Gußeisen und Buntmetalle, geeignet, während sie bei der Stahlbearbeitung wegen starken Verschleißes durch den langen Span versagten. Hier brachten die bahnbrechenden Entwicklungsarbeiten von P. Schwarzkopf, I. Hirschel und C. Ballhausen sowie insbesondere von R. Kieffer in den Jahren 1929 bis 1931 den entscheidenden Fortschritt. Bildet man mit Wolframkarbid oder (Molybdänkarbid und Karbiden, z. B. des Titans, Vanadins und Tantals, Karbid-Mischkristalle und sintert diese mit Kobalt als Bindemetall, dann erhält man Hartanetallsorten mit hoher Zähigkeit und geringer Schweißneigung, welche für die Stahbearbeitung auch bei höchsten Schnittgeschwindigkeiten hervorragend geeignet sind. Diese Hartmetalle wurden in zahlreichen Patenten des Werkes geschützt und gelangten unter der Bezeichnung Titanit Ul, U2 und U 3, später S 1, S 2 und S 3 in den Handel.