Aufsatz 
Zur Geschichte der Metallwerke Plansee G.m.b.H. in Reutte, Tirol / von R. Kieffer und F. Benesovsky
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Zur Geschichte der Metallwerk Plansee G. m.b.H. in Reutte, Tirol.

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jedoch ausschließlich auf dem Sintergebiet tätig. Die Molybdän- und Wolfram­fertigung wurde ebenso wie die Erzeugung von Hartmetall und Verbund­legierungen gesteigert. Die Zahl der beschäftigten Personen stieg auf über 1000.

In die Kriegsjahre fällt auch die sprunghafte Entwicklung der Eisen­pulvermetallurgie, einer Technik, bei der man aus Eisen- und Stahlpulver Fertigformteile mit Eisen- bzw. Stahleigenschaften herstellt. Das Sinterver­fahren im Sintereisen und Sinterstahl tritt in Konkurrenz zu anderen Massen­fertigungsverfahren, wie Temperguß, Spritzguß, Präzisionsguß, Gesenk­schmieden, Blechprägen, spanabhebende Formgebung u. a. und eroberte sich einen festen Platz unter den ver­schiedenen Verfahren der Stahl- fonmgebung. Eine Anlage für die Herstellung von Granatführungs- ringen aus Sintereisen hatte eine Monatskapazität von etwa 120 t. Für diese Fertigung waren die Werkstoffeigenschaften des Sintereisens, Porosität und Plasti­zität entscheidend.

In der zweiten Kriegs'hälfte begannen die Entwicklungsarbei­ten am Werkstoff Sinterstahl, und gegen Kriegsende wurden bereits etwa 10 t/Monat Maschi­nen- und Geräteteile aus Eisen- Graphitpulver gepreßt und gesin­tert, wobei man bei vergüteten Teilen die Eigenschaften eines gewöhnlichen K oh lernst offsta'h les mit etwa 0,0°/o C erreichte.

Die 1935 bis 1937 begonnene Entwicklung von gesinterten Dauermagneten führte während des Krieges zu einer Fertigung von etwa 12 t/Monat, nach dem Verfahren von R. Kieffer und W. Hotop. Die Fe-Al-Ni-Legierung nach Mishima, aus welcher üblicherweise Körper durch Form- oder Präzisionsguß gewonnen werden, kann auch aus den Einzelpulverkomponenten oder aus Vor­legierungspulvern durch Pressen und Sinternsynthetisiert werden. Man kann auf diese Weise Fertigformteile hersteilen, welche nur geringer Nach­arbeit bedürfen und welche im Vergleich zu Teilen aus der Schmelzlegierung, bei etwa gleichen magnetischen Eigenschaften, feinkörnigeres Gefüge haben.

Zwei Monate nach Kriegsende nahm das Werk die Arbeit unter Leitung von Dr. R. Kieffer und Dipl.-Kfm. F. Herold wieder auf. Zunächst wurde eine im Werk entwickelte Heizleiterlegierung auf Fe-Al-Basis durch Sinterung erzeugt und Keramikteile für elektrotechnische Zwecke sowie Heizplatten und Raum­strahler hergestellt. Diese Zwischenfertigung, welche der österreichischen Wirtschaft über einen bedeutenden Engpaß hinweghalf, machte bald wieder

Bild 6. Gesinterte Dauermagnete